Freitag, 31. Dezember 2010

zuletzt, zuerst

Das Merkwürdige an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit einmal die gute alte Zeit nennen wird.
Ernest Hemingway


PS:
Stellen Sie sich vor, wie Ihr Urenkel sich wundert, wie gemütlich, langsam, idyllsich Sie in Ihrer Jugend lebten?

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Verweigerung, überflüssig

Eben verschwindet in Deutschland etwas typisch Deutsches,
es gab gute Gründe dafür und es wurde häufig mühselig, bisweilen komisch, funktionierte aber:
Die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen.
Jetzt wird in diesem Land der Wehrdienst abgeschafft (offiziell ausgesetzt) und damit auch die Verweigerung. Keine Revolution, keine Katastrophe, kein Chaos: Etwas verblasst, wird weniger und weniger, verschwindet schon, ist kam noch erinnerlich ...
PS:
Zurück bleibt kein Phantomschmerz, sondern ein wirkliches Problem. Wenn es keine Verweigerer mehr gibt, dann auch keine Verweigerer, die Zivildienst leisten, das waren 2008 63.500 Menschen, die anderen dienten.
PPS:
Ein witzelnder Weiser schlug vor, dass diese Dienste künftig von allen denen für ein Jahr zu leisten seien, die in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Staat eine gehobene Karriere anstreben.
Aber wer weiss? In zehn Jahren mehr dazu.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

DIE Geschichte, heute

Die grossen Geschichten werden immer wieder erzählt,
die ganz grossen Geschichten zeitgemäss ...

Dienstag, 21. Dezember 2010

egogeopolitisch

Hier ist für die langste Nacht des Jahres ein amüsanter Link - jedenfalls ist es fruchtbarer, sich zu amüsieren, statt den kultivierten Kopf zu schütteln. Hoffe ich.
PS: Den griechischen Beitrag sah ich mal an der verfallenen Wand eines alten Bauernhauses auf Naxos: "Europeans go Home!"

Freitag, 17. Dezember 2010

wachsen ohneTote

Da dies wirklich ein Ende macht:
der deutsche Bunderstag setzt eine Kommissione ein, die eine Alternative zum Bruttoinlandsprodukt, BIP, als Indikator für Wohlstand finden soll.
(Details bei der Financial Times und anderen.)
Wenn die Spatzen von den Dächern einer anderen Wirklichkeit pfeifen, werden selbst Parlamente hellhörig. Gut: spät und nur halbwegs. Gewiss. Einer brachte es immerhin auf den Satz: Es kann nicht sein, dass mehr Tote mehr BIP bewirken.
Doch kann es schon. Das tut auch die Produktion von fettmachenden Fastfoods für um die Ecke und unangenehm verschlankenden Landminen für irgendwo.
Damit das alles nicht zu erschreckend wird: Es ist eine Kommission eingesetzt. Das ist das, was zuverlässig dasjenige bremst, was beschleunigt werden soll.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Böckingärtnerin

Europa? Europa"!
Krise? Krise!
Einen wirklich verwegenen Vorschlag macht ein Autor des "Spiegel": Man/frau solle Frau Merkel von Berlin nach Brüssel schicken, damit sie dort die Mutti Europas würde.
Wenn es ausser den offensichtlichen Clowns und Gaunern eine Staatsperson gibt, die sich in den letzten Jahren um Europa extrem unverdient machte, mehr und mehr zum Schaden nicht nur Europas, sondern auch des eigenen Landes, dann ist das diese Person.
Gut, der Vergleich vom Bock, den man zum Gärtner macht, ist schief, aber nur genderschräg. Wie wärs mit der Schnecke zur Salatpflegerin?
WIe wärse mit Assange als CIA-Chef?
Oder mit Berlusconi als Boss von Transperancy International?

Mittwoch, 15. Dezember 2010

grosse Geschichten

Revolutionen, meint Eric Selbin, entstehen dadurch, dass wir uns gewisse grosse Geschichten weitererzählen: "Gerücht und Revolution: Von der Macht des Weitererzählens."
Selbin ist Professor in Texas und schon mehrfach durch originelle Gedanken aufgefallen. Diesmal hat er einfach genau hingesehen und hingehört.
Die französische Revolution, die deutschen Bauernkriege, die Revolutionen in Russland, China, Kuba, Vietnam, Nicaragua und immer so fort zeigen laut Selbin, dass durch Mythos, Erinnerung und Nachahmung Geschichten entstanden sind und immer wieder entstehen, die uns erinnern an eine andere, mögliche Gegenwart. Alle Typen von Revolutionsgeschichten sind weit mehr als nur Beschreibungen: Sie sind Katalysatoren für den Wandel der Welt.
Schwerer zu stoppen als Wikileaks, nicht wahr?
PS: Welche Geschichten hören und erzählen Sie gern?


Dienstag, 14. Dezember 2010

Fuss!Ball!

Es ist Dienstag, der 14. Dezember 2010, in einer Woche ist der kürzeste Tag, aber die längste Nacht.
Damit haben diese beiden Videos nichts zu tun.
Oder doch?
video
Eines zeigt jedenfalls, wie kompliziert wir uns das Leben machen, wenn wir an unsere freie Entscheidung glauben. Das andere zeigt, wie schön Fussball sein könnte; ohne FIFA.
video

Montag, 13. Dezember 2010

private sputniking

In diesen Tagen geschah, was schon längst erwartet wurde, jedenfalls von den neoliberalen Kräften aller Nationen, die diesen Globus nun einmal privatisiert haben wollen
- und jetzt auch den Weltraum.
Jubel für den Jungfernflug.
Ahnen Sie, was jetzt kommt?
Ja, Sie ahnen es.
PS:
Der erste private Sputnik wurde übrigens entscheidend mitfinanziert von jemandem, der sein grosses Geld im Internet machte. Also wird es für Sie besinders einfach und sicher, Ihren ersten Flug über PayPal zu bezahlen.
Ahen Sie, was ...?

Montag, 6. Dezember 2010

Wirklichkeits-Wetter

Wir bekommen einen Jahrtausendwinter. Zieht Euch warm an. Bunkert Heizöl. Und Rum. Und hofft das Beste.
Nur: Weder wissen wir, was ein Jahrtausenwinter denn wäre, käme er so, wie in den letzten Tagen verbreitet. Noch hat ihn eine Fachkraft der Meteorologie vorausgesehen; ein polnischer Witzbold wars.
So wirklich, seliger Watzlawick, ist unsere Wirklichkeit. Dergleichen Witzchen gabs ja immer; nur sind sie heute in Stunden um die Welt gehypt.

Wir bekommen einen Jahrtausendkrieg für die Freiheit.
Wir bekommen ein Jahrtausendpopidol.
Wir bekommen den JahrtausendXYZ.

PS: Es gab ja bisher immer diese vorsätzlich alberne Hoffnung, nach der 1 Million Ameisen sich nicht irren könnten.
Können sie eben doch.
1 Milliarde irrt sich noch schneller. Jahrtausenmässig.

Freitag, 3. Dezember 2010

Wissen schaffen

Nachdem (eigentlich) ernst zu mnehmende Wissenschaftler verkündeten, dass sie eine neue, sehr überraschend andere Lebensform entdeckt hätten, dauerte es einige Minuten, bis andere, (eigentlich) ernst zu nehmende Wissenschaftler mitteilten, sie glaubten das nicht. Das sei wohl wieder nur so ein gemachtes Ding von Leuten, die unbedingt auffallen wollten. Und sie persönlich, wenn man sie fragen würde, glaubten diese Überraschung nicht.
Das Ende der Wissenschaft, des Schaffens von Wissen, ist nicht irgendein Fundamentalismus ausserhalb der Wissenschaften. Das Ende ist Rechthaberei, süchtig nach Aufmerksamkeit.
PS:
Was schätzen Sie, wieviel der sogenannten Wissenschaften Sie bisher überprüfen konnten?

Montag, 29. November 2010

leck geschlagen

Dass
an Frau Merkel Vieles abperle wie an einer Teflonpfanne und sie nicht besonders kreativ sei - niemanden kann das überraschen.
Dass
Her Berlusconi ein Hallodri sei - geschenkt.
Dass
Herr Karzai ein Schwachwackelnder sei - das wurde lange genug vorgeführt.
Dass
derjenige gegen Gesetze verstiess, der all das weitergab - was ändert das am Inhalt?
Dass
all die Peinlichkeiten nun Millionen die Chance geben, ein wenig mehr von ihrer eigenen Gegenwart zu verstehen - ist das nicht wünschenswert?
Dass
Leute die lange geübt haben und hoch bezahlt werden, ein System für 240.000 Teilnehmer (oder gar 2.400.000) einrichten und glauben, dieses System sei sicher vor Verrat - das ist unglaublich dumm.
Dass
noch höher Bezahlte denen das auch noch glaubten und das System einschalteten - das ist so abgrundtief blödsinnig, wie es nur die Wirklichkeit erfinden kann.
Der nächste grobe Unfug ist schon angelaufen: Jetzt wird das System ganz, ganz sicher gemacht.

Dienstag, 23. November 2010

mordshungrig

Neoliberalismus oder Tod?
Neoliberalismus und Tod!

Wer nicht möchte, dass er sich eines Tags fragt, warum er das alles nicht gesehen, nicht verstanden, nicht beherzigt hat: hier ist das Gegenmittel.
Jean Feyder ist ein entfernter Verwandter von Jean Ziegler, aber ein klarer, ruhiger, der lange die Augen aufgemacht hat, solange und so genau, dass er Ihnen und mir jetzt erklären kann, wie heute die meisten Menschen getötet werden - unter Ihrer und meiner uninformierten Mithilfe.
"Die gegenwärtigen Krisen stellen nun die Herrschaft des Markts in Frage. Dieser hat gezeigt, dass er unfähig ist, sich selbst zu regulieren."
Er ist genau, er nennt Ross und Reiter, er beschreibt die Ursachen so verständlich, dass klar wird, was
* eigentlich getann werden müsste
oder
* was zu tun ist.

Dieses Buch lesen ist schon: zu tun.

Freitag, 19. November 2010

Kaffeesatzkatastropheure

Was jetzt dran ist, das sind die USA. Erst ein deutschsprachiges Blatt, dann ein zweites, danach mehr und mehr erklären uns die Gegenwart und Zukunft der USA. Und die ist düster. Weil, jetzt gehen sie unter.
Wieso? Weil es dieses Blatt sagt. Und das andere auch.
Respektive Boris Groys. Groys ist ein Kunstgeschichtler, den zu lesen sich meistens lohnt. Diesmal nur versehentlich. Plötzlich taucht er im Chor der USA-Untergangsprophezeier auf. Nur ist seine Begründung interessanter, rumgedreht, wie der Wurm, der den Apfel definiert: die letzte Hoffung sei der radikalste Kapitalismus aller Zeiten: "In der aktuellen Phase des Kapitalismus erkennt man in der erotischen und sozialen Frustration die einzig verbliebene ökonomische Kraft."
Genau, Boris.
PS: Es war Mark Twain, glaube ich, der einer Zeitung, die versehentlichg sein Ableben gemeldet hatte, schrieb, dass die Nachrichten von seinem Tode zumindest voreilig seien.

Mittwoch, 17. November 2010

müde

Byung-Chul Han ist Professor in Karlsruhe und hat ein Buich zu unserer Gegenwart geschrieben: "Die Müdigkeitsgesellschaft", eine Philosophie der Erschöpfung.
Die Gesellschaft der Negativität zieht sich laut Herrn Han zurück, eine Gesellschaft, bestimmt von einem Übermaß an Positivität kommt auf.
Atemberaubend einfach, verständlich und irritierend zeigt er, dass  Depressionen, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, die Pathologien Borderline oder Burnout Infarkte sind, die  durch ein übermässige Positivität bedingt sind. Han entwirft die Vision einer  'Müdigkeitsgesellschaft': den Wandel vom "um zu" zum "nicht zu".
PS: Vielleicht freut es Sie, drei Ihrer Umzus in Nichtzus zu verwandeln. Ich hab's probiert - mit seltsamen Ergebnissen.

Mittwoch, 10. November 2010

Peter Sloterdijks Autisten

... im aktuellen Spiegel, seite 136 beginnend ...

PS: zu Sloterdijk.

Dienstag, 9. November 2010

small selector is watching you

Harald erzählte mir heute von einem Ding, das Sie vielleicht längst kennen und allenfalls müde belächeln oder noch nicht einmal ignorieren - während für mich: it made my day. Almost.
Also: Harald hat nicht nur entzückende Töchter sondern seit einigen Monaten zusammen mit Doris einen charmanten Sohn. Und ausserdem hat er eine Kamera. Die kann er auf die ganze Pracht richten und aufzeichnen lassen, solange Akku und Speicher halten. Soweit alles wie bisher.
Diese Kamera kann er aber so einstellen, dass sie nur dann läuft, wenn der Kleine lächelt. Wie schon zugegeben: Kann sein, dass Sie das nicht bemerkenswert finden. Mir geht es hier jedoch darum, meine Gegenwart zu verstehen, Ihre auch, unsere. Demnach gibt es jetzt oder gleich:
* Jemand-lächelt-Kameras. (Jemand lächelt nicht. Jemand guckt vedrossen, hinterhältig, falsch, nicht teamfähig.)
* Jemand-vernebelt-die-Wahrheit-Mikrophone. (Gibt's längst, nicht nur in Langley, ich weiss. Was aber, wenn Sie jemanden anrufen und der scannt sofort, was Sie treiben? Ist das dann eine Art Aufrichtigkeits-App?)
* Dosensuppen-Feedback-Controller: Jemand-isst-seine-Suppe-gierig. (AH! Das müssen wir also reintun. Gibt's schon, ja, in Zigaretten und in weiss-Foodwatch-wo-überall.)
* Wetten-dass-Wegguck-Nichtklatscher-Abschaltung: Wer nicht begeistert unablässig auf den alten Blonden und die schweizerische Blonde starrt und atemlos ist und klatscht, klatscht, klatscht undsoweiter, kommt erst 3 Miunuten auf die Schwarzbank und im Wiederholungsfall muss er die Sendung verlassen. (Gibt's sofort, wenn die Quotenzählung eine Spur aufgerüstet wird.)
* Partnerrecording: In diesem Monat hast du 321mal mit mir gesprochen, aber nur 2 mal mit warmer Stimme. (Sind Sie sicher? Brauchen Sie einen Link, um das Ding zu bestellen?)
Und immer so fort: Gegenwart.
Damit wir uns nicht missverstehen: Irgendeine Paranoia von irgendwem hat nichts mit mir zu tun. Mit Ihnen auch nicht, hoffe ich. Jedweder Trick, den Menschen erfinden, können Menschen austricksen. Jeder neue Umfug kann im wirkungslosen Blödsinn verpuffen.
Aber zu unserer Gegenwart gehört immer alles, was sich irgendjemand ausdenkt. Weil alles, was Menschen denken können, auch von Menschen gemacht wird. Früher oder später; meist früher.
Willkommen Kristian. Du wirst sie alle weglächeln.

Montag, 8. November 2010

Wachstum für Zombies

Der  aktuelle Bericht  der Vereinten Nationen zur menschlichen Entwicklung beginnt eine Revolution - mit einem Satz: "Eines der überraschendsten Ergebnisse der Forschung zu menschlicher Entwicklung in jüngster Zeit ist die fehlende signifikante Korrelation zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungsbereich.”

Das heisst:
1. Gesundheit und BIldung der gesamten Menschheit hängen nicht davon ab, was wir Wachstum nennen.
2. Jede Forderung von jedem Menschen, jeder Institution nach Wachstum, um Gesundheit und BIldung der Bevölkerung zu garantieren, ist dummes Zeug.
3. Alle, die mit diesem dummen Zeug argumentieren, sind entweder miserabel informiert und oder betrügen absichtsvoll.

Das sind bespielsweise Politiker, die mit dieser Täuschung Gesetze begründen. Das sind Professoren, die Wachstum als sakrosanktes Wissen predigen. Das sind Manager, die mit diesem Grund Menschen entlassen und verarmen. Das sind alle, die damit den Planeten verwüsten. Und immer so weiter, wie Sie wissen.

Falls Sie sich nächsten Nachrichten anhören, werden Sie dergleichen hören. Und die Armeen der Zombies des Irrglaubens von Gestern werden durch die nächtlichen Volkswirtschaften schleichen und durch die Firmen und durch die Unis und durch die Parteizentralen sowieso und - leider und besonders - sich in menschlichen Gehirnen einnisten.
PS: Glücklicherweise! wirklich, glücklicherweise! entscheiden Sie, ob die Dunkelheit weiter bei Ihnen willkommen ist.

Freitag, 5. November 2010

integrieren, nachts

Am kommenden Sonntag können Sie etwas Ungewöhnliches erleben: ein Jude und ein Muslim integrieren sich Deutschland (ja, nicht umgekehrt) und plötzlich implodieren die Integrationsgipfel, die missverstehenden Reden zur Leitkultur (christlich-jüdisch), die politisch korrekten Anmerkungen zu Migrationshintergründen.
PS:
Wird vorsichtshalber spät gesendet, damit Sie dann schon müde sind oder besser doch bereits schlafen. Was schade wäre.

Mittwoch, 3. November 2010

fernnah

... es könnte sein
- nachdem immer häufiger Wissenschaftler berichten, wir seien des Altruismus durchaus fähig,
insbesondere, wenn wir nah zu denen lebten, denen zu helfen wäre und
- nachdem immer öfter handfest durchgezählte Statistiken belegen, dass immer mehr Menschen zunehmend Netze zu anderen aufbauen, pflegen und nicht nur mit Rat weiterhelfen, sondern auch mit Geld
... dass auch unser Gefühl, unseren Gefallen und unseren Geschmack für Nähe unter anderem paradox zu leben vermögen: der ferne Mensch ist uns nah, egal, wo er lebt, gleichviel, mit welchem Medium wir kommunizieren.

PS:
Wieviel dieser Nähe wünschen Sie sicht? Wieviel ertragen Sie?

Dienstag, 2. November 2010

also jetzt die Strassenblicke

Ab heute ist er also auf dem Netz, der deutsche Strassenblick.
Auf dem Blick aufs Bundeskanzleramt kann man nicht bis zu den einzelnen Büros durchgooglen. Und das ist ja gut so.
Ich wünschte mir einen streetview on / of Querdenker, Querlebende. Das wird wohl noch dauern.

Montag, 25. Oktober 2010

gross durch Kleines, Vieles

Was Muhamad Yunus begann und wofür er den Nobelpreis gewann, macht vielerorts Schule und jetzt auch Gegenwart im Netz, beispielsweise dies.
Das wird diesen Herrn nicht fürchten machen.
PS:
Was haben die Leute damals über das erste Rad gelacht, das erste Automobil, die erste Flimmerkiste, das erste Windows. Und so weiter; :)

Freitag, 22. Oktober 2010

tot, aber weiter digital

Hier sind Informationen, die Sie sich noch nie oder schon immer gewünscht haben: 7 Resourcen, die Ihnen helfen, Ihr digitales Leben nach Ihrem Leben zu arrangieren.

Vor zwei, drei Jahrzenten liess ein Mann, der seine Firma für viel Geld verkauft hatte, in den besten Blättern eine ganzseitige Anzeige erscheinen - ein Jahr nach seinem Tod. Er verabschiedete sich, selbst zu seinen früheren Gegenern freundlichst.
Tja.
Mich erinnerte das damals schon an den Mann, der auf dem Sterbebett, 2 Sekunden vor seinem Tod, hinein in die Lobpreisungen seiner alsbaldigen Hinterbliebenen, ein Auge letztmals öffnend, mahnt: "Und vergesst nicht meine Bescheidenheit!"
Aber das hier schlägt das.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Schmeling ist tot

Kein Nachruf, ein Zuruf:
Besuch des spanischen Königspaares im Langenhorner Reihenhaus: «Ich hatte ein paar Schnitten im Kühlschrank. Nach der Oper haben wir sie gefragt, ob sie Lust hätten. "Ja", und dann haben wir zu viert hier gegessen. ... Der König, seine Frau und wir haben geklönt und geklönt.»

Dienstag, 19. Oktober 2010

allons embryons, nés non encore

"Sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben" sagte die Königin und dann ging es los und dann fiel die Bastille und der König und auch der Königin Kopf rollte und danach alle dieser stürmischen Revolutionäre und heute noch wirkt das nach und wir alle sind Kinder dieser Revolution und ...
wirklich?
Heute brannten wieder die Strassen von Paris. Und in der Masse der Revoltionäre die feurigen, kühnen, mutigen,lebendigen Schüler vorneweg.
Und wofür liefen sie und riefen sie und verbrannten Autos und Kioske?
Für ihre Rente.
Für ihre Rente schon mit 60, statt mit 62, wie die Regierung das will.
15-jährige.
Was, Robespierre, wurde nur aus Deinen Enkeln?

Montag, 18. Oktober 2010

wenn denn Musik der Liebe Nahrung ist, so

Das sind die Atomic Toms in der Subway mit ihren aktuellen Instrumenten:


PS:
Was daraus alles entstehen kann?

Sonntag, 17. Oktober 2010

flüssig

Ein flüssiger Raum für Nachrichten, the liquid newsroom, ist eine der aktuellen Requisiten der Inszenierung namens Gegenwart.
Vieles der journalistischen Leistung bleibt gleich - aber nicht, wie sie geleistet wird. Beispielsweise wird das gemeinsame Arbeiten an einem Thema unter anderem weltweit möglich, technisch sehr einfach, kostenlos bis billig und: selbst dem jüngsten aller Volontäre, Praktikanten, Blogger oder Sonstwiepublizierer sofort verfügbar.
Flüssig.
PS: Vielleicht mögen Sie den Begriff und achten darauf, was da so in den nächsten Gegenwarten auftaucht; flüssig.
PPS: Ja, "Panta rhei!" und so immer weiter erkannte schon vor etwa zweieinhalbtausend Jahren Heraklit. Nur waren seine Erkenntnisse einer kleinen, elitären Gruppe vorbehalten. The liquid newsroom ist radikal kollektiv und demokratisch.

Freitag, 15. Oktober 2010

alles notiert; für immer

Evernote, eines der flotierenden virtuellen Gedächtnisse in den Datenwolken unbekannter Grösse, arbeitet jetzt mit Livescribe zusammen.
Was heisst: Sie, ich, jemand, alle leben mit einer neuen Art Kulgelschreiber: Livescribe. Was Sie schreiben, kritzeln, notieren, wird gespeichert. Was Sie sagen oder hören auch. Das übertragen Sie in Ihren Computer irgendeiner Art. Von dort aus können Sie alles ordnen, senden, drucken. Und durch die Kooperation mit Evernote steigt das auf und wird zu neuen Wölkchen in der Wolke. Dort schwebt es dann für immer.
Noch lange nach Ihnen wird es durch das Universum treiben.
Wie wird Ihnen dabei?

Donnerstag, 14. Oktober 2010

kurz mal vornedran

Dieser Satz steht drüber:
Während in aller Welt noch gerätselt wird, wie das Buch der Zukunft aussehen und wie es einmal heißen wird, ist es in einer virtuellen Werkstatt zwischen Berlin und Hamburg bereits entstanden.



In unserer Gegenwart kann jeder mal Avantgarde sein oder Marktführer oder einfach vorn - für 15 Tage, maximal.

Montag, 11. Oktober 2010

EQ, nicht IQ

Der vertrauenswürdige New Scientist berichtet über ein Forschungsprojekt von Anita Woolley an der Carnegie Mellon University:
Sollten Sie Mitglieder für ein Team finden wollen, dann suchen Sie nicht nach dem intelligentesten Bewerber. Die Intelligenz einer Gruppe hängt (entscheidender als von dem IQ der Beteiligten) von deren sozialer Empfindsamkeit ab. Und von der Fähigkeit, Standpunkte zu wechseln. Schliesslich: Je mehr Frauen im Team, desto intelligenter ist das dann.
Also?
PS:
Meine Grossmutter mütterlicherseits riet mir (Zigarrenqualm aus dem Mundwinkel):"Du kannst ja gern so dumm sein wie du willst - Hauptsache, Du weisst Dir zu helfen".
PPS:
Wenn Sie den Bericht nachlesen: Frau Woolley unterstellt unbeirrt, dass der individuelle IQ tatsächlich zuverlässig Intelligenz misst.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Faschisten, andersrum

Kaum fertig mit diesem Video, wurde Richard Curtis (“Vier Hochzeiten und ein Todesfall” und “Notting Hill”) Öko-Faschist genannt und das Video gestoppt.



PS: Wieviele werden immer wieder um Glück, Gesundheit, Leben durch diejenigen gebracht, die genau wissen, wie Menschen glücklich zu werden haben?

Dienstag, 5. Oktober 2010

Genies von Gestern

Es wäre ja peinlich, darüber zu reden, wenn es nicht dauernd vergessen ginge: Gegenwart ist jetzt.
Noch gestern früh war ein Unternehmen so bedeutend, so führend, so gross (und häufig so arrogant und schlampig), dominierte so sehr die Gegenwart von gestern, dass es wunderbar zum Feind No.1 für seine abhängigen Kunden taugte: Microsoft.
Micro wer?
Microsoft, das geniale Ding von Gates (und 90.000 anderen).
Der Geniestreich war sich seiner ganz sicher. Und so, gewaltig, bedeutend, sicher, verschnarchte das Unternehmen den entscheidenden Wandel zu einer anderen Art von Computer - den Smartphones. Die alte Methode (drücke allen dein Betriebssystem auf) funktionierte nicht. Und Neues? Geld kann Geist zwar kaufen, aber selten gewähren lassen.
Jetzt soll das ein gewisser Achim Berg richten. Der veranstaltet schrecklich unerhörte Beerdigungsszenerien, tanzt mit gelben Perücken rum und sagt unzensiert, dass er die Wirklichkeit den Hochgestellten bei Microsoft erst mal beibringen müsse.
Zusammengefasst:
1.
Die Welt gibt kein Pardon für Gestrige.
2.
Abschottung in Top-Etagen ist die sanfte, kostspielige Methode des Suizids. (Gilt auch für die politischen Chefbüros, siehe die Nachrichten von heute Abend.)
3.
Raus in die Gegenwart; notfalls mit Perücke.
PS:
Das Ganze steht diese Woche in "Die Zeit", Seite 42.

Montag, 4. Oktober 2010

Obrigkeit

Wikipedia: "Als Obrigkeit (lat. superioritas) wurden in hierarchisch organisierten Gemeinwesen seit dem späten Mittelalter bis in die Moderne hinein diejenigen Personen oder Institutionen bezeichnet, die rechtmäßig oder auch nur aufgrund eigener Anmaßung (Usurpation) die Herrschaft ausübten und die rechtliche und faktische Gewalt über die Untertanen besaßen. Die Untertanen schuldeten ihrer Obrigkeit Gehorsam."
In diesen Tagen ist in Deutschland zu erleben, wie altmodisch Menschen sind, die völlig überzeugt sind, dass sie erstens grossartig sind, zweitens auf der Höhe der Zeit regieren und dies drittens sowieso als gute Demokraten.
Was diese Restposten so unerträglich macht, ist genau diese Mischung.
Wenn Sie sich die volle Dröhnung zumuten wollen, dann klicken Sie sich bitte durch die Reportagen zu Stuttgart 21. Dann sehen Sie regionale und zentrale Minister plus einer leibhaftigen Kanzlerin, die angewidert auf Untertanen reagieren, die, unglaublich, sich nicht brav, vorauseilend und völlig der Obrigkeit unterwerfen wollen. Die Statements sind verräterisch, weil so blank abgehoben im Zirkus des dümmlichen Teils der politischen Klasse oder in gelehrigem Neusprach abgesondert.
Aber nicht nur "1984" (sozusagen für schwäbische und märkische Grosse Brüder und Schwestern) , nicht nur Orwell wird bestätigt, sondern auch jede aus aktuellem Anlass laufende Erinnerungs / Nostalgie / Biographie-Analyse (wie "Das Leben der anderen" oder dummdreiste Moderatorfragen a la "Warum haben Sie eigentlich nicht aufbegehrt?")
Ob jemand meint, er oder sie sei Obrigkeit, lässt sich sofort daran erkennen, dass diese Menschen die Unbotmässigkeit von Untertanen reklamieren.

Donnerstag, 30. September 2010

Gegenwarts-Zeitung

Hier wird Gegenwart publiziert.

Politainement

Der amerikanische Komiker Stephen Colbert demonstrierte in den letzten Tagen endlich jene Wirklichkeit, die nicht zu übertreffen ist: die gefälschte Realsatire.
Dass die Realität die Satire übertrifft, wissen wir spätestens seit Tucholsky. (Oder wie fanden Sie das Video unten (vom 26.September) mit der schweizerischen Merz-Parodie? Oder war das doch das Original? Egal. Wirklich egal.)
Colbert, der für viele Amerikaner mit seinen Satiren glaubwürdiger ist als alle Nachrichten-Sendungen, ging diesmal weiter: Er spielte die Figur des unsäglichen Rechtskonservativen gleich in einer Ausschussitzung des Parlaments.
Das hat Zukunft.
Das ist die Zukunft.
PS: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass diverse Darsteller in den Politik-Sendungen fast schon etwas zu gut sind?

Mittwoch, 29. September 2010

wahr nehmen

Amy Krouse Rosenthal whoisamy.com und MissionAmyKR.com sei Dank für eine Art zu lehren, wie wir sie heute brauchen:

Ja, wir nehmen nicht wahr, was ist. Ja, wir nehmen wahr, was wir sind - und wie wir sind.
Und die Wirklichkeit?
Also bitte.

Sonntag, 26. September 2010

Dich lache ich, Bürokratie

Das hier kann Sie mit einigen Jahrzenten Ärger über bürokratische Exzesse versöhnen.
Es handelt sich um einen Herrn Merz. Der war bis jetzt Bundesrat in der Schweiz und fiel dabei in sieben Jahren nicht durch allzuviel Geschick und Gelächter auf.
Aber jetzt: Was für ein Abschied.
PS, nur so nebenbei: Wie möchten Sie sich am liebsten verabschieden, eines Tages?

Donnerstag, 23. September 2010

facebook=Selbstprostitution

"Facebook beispielsweise ist eine Art Selbstprostitution, eine Offenlegung von Intimität ohne Verpflichtungen. Man öffnet sich nicht wirklich, will sich aber zeigen. Es ist gewissermaßen Selbstkommunikation - ein öffentliches Tagebuch, das nur so tut, als wäre es Kommunikation" sagt Ernst Pöppel, ein Professor für Medizinische Psychologie im FAZ.NET.
Interessant ist die Analogie nicht wegen ihrer Begründung, denn die setzt ein angenommenes Übel (Multitasking) als Grund für die notwendige Abstinenz von dergleichen wie Facebook.
Interessant ist hingegen, dass derartig frei und fröhlich im Geschlechtlichen assoziiert wird, dass es eine wahre Lust ist. Siehe Zitat oben und siehe Link. Und so deftig wirds für gewöhnlich nur, wenn wir uns in etwas sehr Deftigem getroffen fühlen.
PS: Schliessen Sie sich Herrn Pöppels Urteil an?

Mittwoch, 22. September 2010

Löwe oder Biene

Heute einen Trost beziehungsweise eine Drohung von August Strindberg:"Das Leben ist nicht so mathematisch-idiotisch, dass nur die Großen die Kleinen fressen, sondern es kommt ebenso häufig vor, dass die Biene den Löwen tötet oder ihn zumindest verrückt macht."
PS:
Wie wär's mit einer Liste der Lieblings-Gegener, die immer noch auf den Füssen sind und die möglichen, interessantesten Bienen-Stratzegien?
(Meine Siesta heute, beispielsweise, wurde durch eine winzige, wendige, blutgierige Stechfliege zerstört.)

Dienstag, 21. September 2010

gefährliche Dummköpfe

Zum Milleniumsgipfel in New York (an dem vor 10 Jahren geschworen wurde, den Hunger zu verbannen und - lassen Sie sich bitte nicht stören - in genau 3 Sekunden von Jetzt! stirbt wieder ein Mensch an Hunger)zu diesem Gipfgel reiste auch der bhutanische Ministerpräsident Jigme Thinley an. Und sprach.
Und sprach davon, dass die weltweite Konzentration auf materielle Werte gefährlich sei, dumm auch. Er schlug vor, dass Streben nach Glück und Zufriedenheit mit anderen wichtigen Zielen gleich zu setzen:"Die Relevanz dieses Ziels reicht weit über die armen Staaten hinaus und vereint die ganze Menschheit – arm wie reich – in einer zeitlosen gemeinsamen Vision ... man benötigt nicht viel Intelligenz, um einzusehen, dass das endlose Streben nach materiellem Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht nachhaltig ist."
In seinem Land wurde der ökonomische Indikator "Bruttosozialprosukt" durch "Bruttoglücksprodukt" ersetzt.
Im Hintergrund wurde mitleidig gelächelt. Das macht Herrn Thinley offensichtlich nichts. Irgendwann laufen alle Dummköpfe mal vor die letzte Wand und alle Gefährlichen in ihre letzte Falle.

Montag, 20. September 2010

weltweittanzenodersonstwas

TED
ist oft nützlich, wenn Sie die Gegenwart mehr brauchen als alte Illusionen darüber;
hier auch.

Freitag, 17. September 2010

epidemische netzwerke

Hier spricht Nicholas Christakis, Professor in Harvard über "How Social Networks predict epidemics".
Und es lohnt sich, zuzuhören. Er redet Gegenwart.

Montag, 13. September 2010

Wunder, schon wieder

Wie kürzlich vermutet: es gibt Wunder.
Oder Momente, in denen unser Verdacht betstätigt wird, dass dieses Universum anders zusammenhängt, als wir das behaupten - normalerweise.

Worte machen mit Google

good morning if you sometimes run out of words and you have no idea: go to google scribe and you will be as good as the system scribe labs - like this blog here: Google is the fathermother of everything.
Wieder ein neues Angebot, kulturpessimistisch zu meckern oder -optimistisch zu jubeln.
PS:
Bedenken Sie: Jemand, der sich durch Google kiss, beispielsweise, zu 1000 Kussvarianten ermuntert hätte - würde dieser Mensch nicht a) wenigstens küssen, b) mehr und c) vielfältiger?

Donnerstag, 2. September 2010

Wunder, ab und an

Bei all diesen Zwängen, düsteren Prognosen, hoffnungslosen Polittalkern, kulturpessimistischen Eggheads, verquasten ...logen ---
ach!
sollten wir uns ab und an ein Wunder gönnen.
Hier ist eins.
Der kluge Kopf weiss um tausend kritische Bedenken. Dafür ist er da.
Aber hier, hier ist ein Wunder.

Mittwoch, 1. September 2010

positives Denken

Haben Sie 10 1/2 Minuten für eine mentale Wellness-Kur?
Barbara Ehrenreich schrieb ein Buch, ach was: eine Hinrichtung des positven Denkens, das jetzt deutsch erscheint. Bis Sie das lesen können sind hier das hinreissende Video:


Oder:

Montag, 30. August 2010

Narren & Nichtdemokraten

Ich hörte heute in Deutschland Radio Kultur ein Interview mit einer Soziologin. Die heisst Necla Kelek, eine Deutsche, die als Türkin geboren wurde.
Sie hatte am Morgen das Buch von jenem Herrn Sarrazin vorgestellt. Die Interviewerin versuchte ihr zu suggerieren, dass Sarrazin nichts als übel sei. Fand Frau Kelek aber gar nicht. Sie bestand darauf, sich mit den Äusserungen des S. genau auseinanderzusetzen. Und, unglaublich, sie meinte, dass einige der Punkte des S. durchaus richtig wären. Und man solle doch ein Buch von 460 Seiten erst beurteilen, wenn man es gelesen habe.
Sie wird nie Kanzlerin. Die Frau M., die Kanzlerin ist, liess nämlich ihren Pressesprecher los, der von der Bundesbank forderte, S. endlich - na, Sie wissen schon.
PS: Wie finden Sie diese Demokratie? Die Meinungsfreiheit? Nach der müssten Narren doch reden dürfen; nicht nur, wenn sie irgendwie gewählt wurden?

Donnerstag, 26. August 2010

Status Fassadenpopulismus

Welt Online recherchierte den Status zum aktuellen Gefunkel: hier.

Mittwoch, 25. August 2010

China : Deutschland

Das Thema wird ja eben jetzt breit- hoch- und quergetreten.
Die Europäische Kommission bietet Ihnen, mir, uns, zwei Zahlen an, damit wir selbst nachdenken können:
56% aller Deutschen möchten lieber angestellt statt selbständig sein.
71% der Chinesen möchten lieber selbständig statt angestellt sein.
PS des Dudens:
selbst|stän|dig, selbständig [zu frühnhd. selbstand = Person, spätmhd. selbstēnde = für sich bestehend]: a) unabhängig ...
"Angestellte."
Wichtige und reichgegliederte soziale Klasse mittelständischer Natur, die sich sowohl mit der Entwicklung des modernen Staates wie der Wirtschaft außerordentlich vermehrt hat.

Dienstag, 24. August 2010

Kolonisatoren

Christian Stöcker sorgt sich (siehe "CARTA") darum, dass Kolonialmächte die Datenwolke beherrschen:
"Plattform für Monopolisten
Das Internet hat sich, für viele überraschend, als eine Struktur entpuppt, die monopolistische Tendenzen hervorbringt. Obwohl es als freie, offene Plattform eigentlich den Wettbewerb befördern sollte, sieht die Realität anders aus. Bis heute hat das Netz einen dominanten Online-Händler hervorgebracht: Amazon. Ein dominantes Online-Auktionshaus: Ebay. Einen dominanten Online-Medienmarktplatz: Apples iTunes. Eine dominante Suchmaschine: Google. Eine dominante Seite für Online-Videos: Googles Tochter YouTube. Und ein dominantes Social Network: Facebook. Aus dem Rahmen fällt einzig das dominante Online-Nachschlagewerk – denn Wikipedia ist kein Produkt eines Konzerns, sondern das erstaunlich erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt vieler freiwilliger Helfer."
Ist so. Aber wie lange? Überprüfen Sie Ihre eigene Erfahrung: Was hat Ihre Aktivität im Netz vor zwei, drei Jahren bestimmt? Kolonisiert? Wo verdämmern frühere Aspekte von Ihnen? Wieviel Versuche sind mit den Versuchern untergegangen?
Die Kolonialmächte der letzten Jahrhunderte haben deswegen so tiefe Spuren in die Geschichte der Menschheit geschrieben, weil sie das ohne jede Skrupel und sehr lange tun konnten. (Deshalb die geometrischen Grenzen in Afrika, an denen entlang sich die Menschen verbluten. Deshalb die täglichen Toten auf Shri Lanka. Und so weiter.)
Die nächsten, die gegenwärtiger, hungriger und risikofreundlicher sind als Apple, Facebook, Ebay etc. werden uns alles mögliche anbieten. Unter anderem die Frage: Wer war noch mal dieser bebrillte Typ in Jeans, der immer so weisse Dinger anpries?
PS: Wer hat Sie bisher gegen Ihren Willen kolonisiert?

Sonntag, 22. August 2010

googlen oder gurgeln

Es lässt sich grad nicht breit einbetten, aber es ist Sonntag, das Ding ist so .... sehen Sie selbst
hier in voller Breite:

Falls Sie jemand kennen, der dabei ist, Gesetze statt Gegurgel zu planen: bitte Link senden.

Freitag, 20. August 2010

falsches Werkzeug

Eben bei "Perlentaucher" gefunden:
"Die ganze Welt war wie eine Auster für mich, aber ich benutzte die falsche Gabel." (Oscar Wilde)
Was ein Fazit.
Ich grüble grad, was meine Gabel ist.
Ihre?

Donnerstag, 19. August 2010

Abschiede, scheinbare

1
Die Truppen der USA verliessen den Irak. 4.400 bleiben weder im Irak, noch kehren sie zurück; sie sind tot. Die Zahl der getöteten Iraker wird vielleicht, irgendwann, bekannt werden.
2
100 Roma verliessen vor einer Stunde Frankreich, mit einem Charterflug. Als Reisegeld bekommen die Erwachsenen 300 Euro, die Kinder 100. Die rumänischen und bulgarischen Roma sind EU-Bürger, dürfen also jederzeit zurückreisen. Das sieht nach einem Deal mit dem Herrn Sarkozy aus: Alle Monate kommen sie wieder. Und er kann abermals beweisen, wie entscheidungsstark er ist; jedenfalls, was die Deportation von Menschen betrifft.
3
In einem deutschen Bundesland verabschiedete sich heute ein Ministerpäsident, klagend, er sei oft missverstanden worden. Beispielsweise, als er das Deportieren als einen Hauch von Staatsgewalt da und dort durchschimmern liess?
Die Beispiele 2 und 3 scheinen harmlos, vergleichsweise. Sind sie aber nicht. Es fehlt nur wenig.
Brecht schrieb sinngemäss in "Mahagony": Werf so einen in eine Pfütze und ihm wachsen Schwimmhäute. Ja. Oder Armbinden. Oder Flaggen. Oder Milliarden. Oder Dick Cheneys. Oder andere mörderische Familienbande.
PS:
Es ist ein leuchtend schöner Abend und das Meer dreht sich gelassen über die Sonne. Morgen ist sie wieder da, hoffentlich. All das andere bestimmt.

Dienstag, 17. August 2010

Merkel oder / und / oder doch nicht Ackermann

Die Gazette - Diskussion zur Frage "Merkel oder Ackermann" auf mediaclinique wurde von professionellen Intellektuellen geführt.
Nicht, dass die Alternative besonders attraktiv wäre. Nicht, dass es eine Rolle spielen würde: M oder A. (Beide betreiben Verarmungsprogramme im Abendland.) Nicht, dass die Diskussion irgendjemandem etwas bedeuten müsste.
Aber sie nutzt Ihnen, wenn Sie sich dort nur eine vermeintliche Nebenbemerkung eines der Disputanten aufmerksam ansehen:
"Ich denke, vieles wird durch das System vorgegeben, zum Beispiel das Ziel Wirtschaftswachstum, ein Ziel, das Frau Merkel zu erreichen gezwungen ist, genau so, wie Herr Ackermann das Wachstum der Profite seines Unternehmens erreichen muss. Sie haben gar nicht die Autonomie des Handelns, sondern durch das System vorgegebene Ziele. Man kann allenfalls noch darüber diskutieren, was die dafür geeigneten Mittel sind."
Meint: Das ist nun mal ein System und da kannst du nix machen. (Niklas Luhmann, irgendwo, lächelt kühl.)
Meint auch: Wachstum muss nun mal sein. Weiss doch jeder. Macht doch jeder. Ist längst heilig gesprochen. Lehrt doch jede Uni, jede Business School.
Ja, genau.
In nur eine Stunde konzentrierter Recherche im Netz lassen sich mindestens 2 Dutzend gegenteilige Ansichten von brillanten Denkern finden.
Ja, die sind nicht in Banken oder Kanzlerämtern.
Nein, nicht das System entscheidet, sondern Sie.
Und das ist dann doch ein Grund zur Hoffnung. Finden Sie nicht?

Samstag, 14. August 2010

wahr, schön, gut

1
M. ist gross, breit, muskulös, schwer und zementverstaubt. Er hat etwas montiert und ruft mich zur Besichtigung - aber nicht, um sein Werk zu würdigen, sondern den Sonnenuntergang, den Abendstern, die schmale Mondsichel: Ist das nicht schön?
Ja!
Siehst Du das, wie schön das ist?
Oh ja!
Diese Farben? Siehst Du die?
M., ich bin Maler!
Ach! Ja!
Wir sind ergriffen.
2
Hier meint Deutschland Radio Kultur respektive der Autor Adolf Stock:
"Die Neuro-Ästheten
Hirnforscher erkunden das Gute, Schöne und Wahre.
Die alten Griechen haben gemeint, das Wahre, Gute und Schöne gehöre zusammen. Wir haben das gerne geglaubt, bis die Zweifel überhand nahmen. Jeder stolperte über die gefundenen Wahrheiten: Gott ist tot, die Ästhetik des Schreckens, die Banalität des Bösen, so lauteten nur einige Schlagworte, die den schönen Zusammenhang zerrissen, der uns seit Platon faszinierte. Dass nun ausgerechnet Neurologen beginnen, diesen gewaltigen Riss zu kitten, hätte eigentlich keiner vermutet, dem die Kunst am Herzen liegt."
3
Dass Darwin lehrte, die Stärksten würden überleben, war schon immer falsch. Er korrigierte das noch selbst: die Passendsten seien es ("the most fitting ones").
Jetzt machen sich immer mehr Forscher dafür stark, dass es die jeweils Schönsten seien, welche die beste Überlebenschancen hätten.

Dienstag, 10. August 2010

Massenmörder der Märkte

Walden Bello ist Professor für Soziologie an der Universität der Philippinen und Träger des Alternativen Nobelpreises. Er hat ein Buch geschrieben, das wir neben eine Uhr legen können, die laut die Sekunden tickt: 1, 2, 3. Und dann wieder: 1,2,3.
Jedesmal, wenn Sie auf drei zählen, ist ein Mensch an Hunger gestorben.
Der so genannte Weltkrieg II dauerte 6 Jahre und 60 Millionen Menschen wurden getötet. Herr Bello belegt, wie, warum und durch wen 70 Millionen in zwei Jahren an Hunger starben. In den letzten drei Jahren wuchs die Zahl der nah am Tod Hungernden um 850 Millionen auf fast 1,1 Milliarden.
1
Hier bei "Schattenblick" finden Sie eine ausführliche Rezension des Buchs von Bello über den Hungerkrieg. Lesen Sie es, wenn Sie demnächst einige starke Stunden für dergleichen frei haben. Es geht Sie (und mich) mehr an als Compassion, denn
2
die Verarmungsprogramme in europäischen Ländern, wie Deutschland, Frankreich, Grossbritanien laufen schon. Wenn Sie gelegentlich fernsehen, dann
3
sehen Sie die Täter zum Tee bei Kanzlerinnen, zum Segeln mit Staatspräsidenten, mit den 17 Millionären im aktuellen englischen Kabinett bei der Regatta in Oxford.

Montag, 9. August 2010

gut stinken und so weiter

Weils die Zeit für doppelte Dosen von Deos wäre (jedenfalls hier) und da wir uns nie zu schön schminken können:

Und falls sie dieses zwei Jahre alte Utopia-Video noch nicht sahen: es ist heute noch wichtiger; vielleicht schenken Sie den Link einem Menschen, der ihn braucht. Ihre Entscheidung.

Freitag, 6. August 2010

gutes Geld

Sie haben es gehört oder gelesen: da bitten einige Milliardäre zu Nachtessen und anschliessend sind die ersten 100 Milliarden im Spenden-Topf.
Wie solche Leute aussehen? Wie Sie oder ich oder andere: hier.
In vielen Ländern Europas stören die Reichen, machen neidisch, fallen unangenehm auf - soziale Ungleichheit auf zwei Beinen.
So sehen wohl nur wenige Amerikaner die grossen Spender, beispielsweise Bill Gates.
PS: Allerdings wird der die Scharte nicht auswetzen, die er jahrelang mit seiner hingeschluderten Software in die Seelen von Millionen schlug.
PPS: Es sei denn, Sie vergeben ihm jetzt, reich an Erfahrung, wie Sie durch all die Neustarts etc. wurden.

Montag, 2. August 2010

how to help ourselves

Wenn Sie auf diesem Link hinunter scrollen, dann finden Sie Fotos von Menschen, die tatsächlich die Welt verbessern: howtopedia.org
Möglich, dass im Moment Tsetsefliegen nicht Ihr Problem sind. Aber das von hunderttausenden von Menschen, besonders von denjenigen hunderttausend, die daran jährlich sterben. Und dafür und für viele und immer mehr Probleme des Überlebens in gefährlichen (und armen) Umgebungen gibt es jetzt howtopedia.
Was können Sie tun?
Weitersagen.
In solche Gegenden senden.
Ihr Knowhow prüfen. Vielleicht überlebt jemand mit dem, was Sie wissen.

Mittwoch, 28. Juli 2010

TF 373 resp. 4711

Ein Land ist mit anderen in einem Krieg, irgendwo dahinten. Nun gibt es so etwas wie das Internet und Wikileaks und die veröffentlichen bis dahin geheime Papiere und huch! da steht auch drin, dass eine sehr spezielle Gruppe laufend hinter Feinden her ist, um sie geräuschlos um die Ecke zu bringen.
Huch! sagt so zu sagen auch der zuständige Minister, davon wussten wir nichts. Da müssen wir uns jetzt mal bei unseren Waffenbrüdern erkundigen.
PS: Der Minister ist in seinem Land der beliebteste Politiker. Kein Wunder. Wirklich nicht.
PPS: Hier gibt es mehr Details. Lohnt sich allerdings nicht.

Dienstag, 27. Juli 2010

Twitter & Tod

Es wird genug darüber geschrieben, wie tödlich eine Love-Parade sein kann.
Alle Kulturpessimisten, die immer wissen, wie kulturell verkommen die Menschen durch Mikroblogging und all diesen neumodischen Kram werden: hier ist ein Beweis.
PS: Vielleicht kennen Sie einen passenden Adressaten.

Samstag, 24. Juli 2010

verwirrend

Wenn Sie, nur beispielsweise, gerade damit beschäftigt sind, etwas für junge Menschen zu tun oder für alte oder twittern oder dagegen sind oder etwas bei Facebook posten oder dagegen sind oder versuchen, die Konjunktur zu nutzen oder unter der Konjunktur leiden oder die neusten Gesetze für brillant halten oder für selten dümmlich oder hoffen, dass die EU stärker werden oder das befürchten oder Banker sind oder lieber nicht darüber reden oder versuchen, etwas für Ihre Zukunft zu tun oder einfach mal abwarten oder Ihnen die Globalisierung längst zu weit gegangen ist oder bei weitem nicht weit genug oder Sie sich gerade vor China fürchten oder auf chinesische Effekte hoffen oder mehr Demokratie wollen oder demokratiemüde sind oder die Krise wachsen sehen oder gerade jetzt eben schwinden oder die nächste Blase schon erkennen oder glauben, dass die Regierungen die nächste Blase verhindern werden oder mit einem iPad leben oder Ihre Bleistifte spitzen oder eine Frau sind oder doch ein Mann oder hellhäutig sind oder anders oder christlich religiös sind oder jüdisch oder buddhistisch oder muslimisch oder hinduistisch oder agnostisch denken oder lieber heidnisch oder Ihnen das egal ist oder Sie nichts zu essen haben oder eine Kolumne über die Kunst der doppeltgetrüffelten Essenz von Schmetterlingsflügeln geniessen oder sonst wie am Leben sind:
"Jede Sicht der Dinge, die nicht verwirrt, ist falsch." (Paul Valery)

Donnerstag, 22. Juli 2010

raucht, trinkt, werdet dick

22.7.2020:
Die heutige Sitzung der Europäischen Kommission zur Steuerung der Altersplanung erbrachte eindeutige Empfehlungen für ältere Mitbürger, also Menschen ab 59. Insbesondere wird empfohlen, ab sofort den Bezug von Alkoholika aller Art, Tabackwaren und fetthaltigen Lebensmitteln grosszügig zu subventionieren, jährlich die intensivsten Raucher, Trinker und Fettleibigen in einer grossen Show zu prämieren und die Erbschaftssteueren mit jedem Altersjahr über 65 jährlich um einen Prozentpunkt zu erhöhen.
22.7.2010:
Auf der Homepage der New England Centenarian Study wird Ihnen in Kürze ausgerechnet, wie gross Ihre Chancen sind, hundert Jahre oder älter zu werden. Das wird möglich, weil jetzt die Genkombination der Langlebigen gefunden wurde. Diese Kombination haben etwa 15 Prozent geerbt, also in etwa jeder Siebente.
Allerdings sind wir eine Gesellschaft mit sozialen Systemen, die nicht derartig viele kerngesunde, mobile, selbstbewusste Alte vorsieht. Ganz zu schweigen von den Kosten. Sozial verträglicher wäre es also von den Alten, wenn sie wie gewohnt mit Mitte Sechzig in Rente gehen, noch vier, fünf Jahre ausruhen und sich dann verabschieden. Damit das so bleibt oder wieder so wird: siehe oben.
PS: Einige Filme, dutzende Bücher, hunderte Studien bereiten bereits den 22. 7. 2020 vor.

Donnerstag, 15. Juli 2010

alt, süchtig, meckernd

Die Wissenschaft, wir wissen es, schafft Wissen. Die KollegInnen der University of California in San Diego, haben die Fernsehgewohnheiten von nahezu 4000 US-Amerikanern ab 15 bis 98 Jahren erfasst. Und ausgewertet, versteht sich. Und interpretiert, natürlich. Wer deutet, sagt was ist:
Je älter die Menschen, desto häufiger sehen sie fern. Sie werden angeblich regelrecht süchtig: 50% ihrer Freizeit verbringen sie mit der laufenden Kiste. Was aus der Kiste kommt, finden sie aber keineswegs hinreissend, sondern meckern umso mehr darüber, je älter sie werden.
Ja, und?
Gibt es immer noch wissenschaftliche Leute, die glauben, irgendein Mensch irgendeines Alters schalte den Fernseher an, weil er mag, was da kommt? Etwa die Werbung?
Wieviel Menschen grüssen wir täglich, suchen wir auf, lassen uns von denen besuchen, skypen oder mailen oder sonstwassen mit ihnen, weil wir sie mögen? Angenehm finden? Schätzen? Lieben?
Das elektronische Feuer in der Ecke wärmt die Stube und wispert davon, dass wir da sind, am Leben, wirklich, ganz sicher, denn wir hören das Wispern ja. Weiter sind wir noch nicht. Und das ist vielleicht gut so.
PS: Und bisweilen, selten, verstehen wir das Wispern plötzlich, weil Dittsche uns die Welt erklärt. Oder quirlige Wesen reloaden den Gurks von gestern und wir platzen fast vor Wut über das, was uns täglich zugemutet wird. Und dann wispert es weiter.
PPS: Was ist Ihr Lieblings-Wispern resp. Weg-Wispern?

Mittwoch, 14. Juli 2010

Wolken-Angst

Peter Schink in seinem BLOG AGE:
"Eigentlich ist die Diskussion (um die "Cloud")eine der Gegenwartsbewältigung." Und berichtet dann über seinen Alltag. In den Kommentaren wird ihm zugestimmt oder die Angst vor der Wolke beschworen.
Die Technik ist neu, das Problem nicht. Wie schon seit langem in unserem Prozess der Zivilisation geht es um soziale Kontrolle, genauer: um Kontrolle durch Dienstbare. Das Leben mit Personal erforderte früher und heute nach wie vor etwas wie generöse Gleichgültigkeit mit dem Individuellsten, Intimsten. Vor dem Kammerdiener ist jeder nackt.
Und selbst die sensibelsten Daten sind nie sicher. Wer Angst vor Spionen in der Wolke hat, sollte besser nicht testen, wie leicht sich ein halb trainierter Profi in seine heimischen Daten hackt.
Gegenwartsbewältigung ist doch sehr praktisch. Allerdings ist das noch keine Gegenwartsfreude.

Montag, 12. Juli 2010

Informationen blockieren

Süddeutsche.de:
Das kalte Herz der Kirche:
Mehr als jede Kirchenkritik der Kirche schaden kann, schadet sie sich selbst, wenn sie sich der Diskussion versperrt: Anlässlich der Verleihung der "Verschlossenen Auster" hielt Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung eine Laudatio auf die katholische Kirche, den "Informationsblockierer des Jahres".
"Die deutschen Bischöfe geben bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nur die Tatsachen zu, die sich nicht mehr leugnen lassen. Die katholische Kirche respektiert den Anspruch der Öffentlichkeit auf frühzeitige und vollständige Information nicht und widerspricht damit ihren eigenen Werte-Postulaten nach Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit", sagte Thomas Leif, Vorsitzender von Netzwerk Recherche, zur Jurybegründung.
Prantl: "... Eine Gemeinschaft, die vom Wort lebt wie keine andere, hat die Sprache verloren. Sie ist sprach- und sprechunfähig geworden, nicht nur, aber vor allem, wenn es um ihr Verhältnis zur Sexualität geht ... "

Samstag, 10. Juli 2010

Strom, Pools, Literatur

1
Kein Strom, kein Netz, kein Blog. Keinen Strom gibt es, wenn es immer mehr Stromfresser gibt, wie, beispielsweise, Klimaanlagen oder Swimmingpoolbeleuchtungen.
2
Grosses Pool-Verschwinden. Pools verschwinden, wenn Pools plötzlich wirklich besteuert werden sollen. Und vom Flugzeug aus fotografiert wird. Damit Pools verschwinden können, braucht es Vorrichtungen, Stangen, Platten, Netze, künstlichen Rasen. So wird die griechische Wirtschaft belebt. (Vorgeblich soll man kein Flugzeug brauchen, wenn man die Dienste von Google mietet. Ein Gerücht, wie gesagt. Oder nicht? Steuerfahnder fördern Paranoia.)
3
Morgens im Radio eine wütende, näselnde Stimme: Natürlich gibts im Internet keine Literatur; nur Porno. Hier ist einer der Beweise für das Gegenteil, ein charmanter, amüsanter, freundlich zugewendeter: Litblogs.net

Donnerstag, 8. Juli 2010

überall, fast immer mies

Wir sind ja so gute Mütter oder Väter und Konsumentinnen und Dauerdummköpfe. Letzteres allerdings nur, wenn wir Reklameleute sind.
Dass der hinterlistige Schwachsinn namens Marketing-Kommunikation sich auch prompt auf neue Techniken stürzt: na klar. Dass es immer noch die schlechte alte Du-Bist-Beschränkt-Und-Jetzt-Mach-Ich-Dir ein-Mieses-Gewissen-Masche ist: was sonst sollte beschränkten Menschen einfallen? Jetzt also alles nochmal als App.
Wenn sich wie eben die Herrschaften in Cannnes tummeln und sich gegenseitig mit Preisen beschenken und dann dort tatsächlich noch ein Journalist auf die naive Idee kommt, nachzufragen, warum es vorwiegend soviel missratene, dümmliche Kommunikation gäbe, kommt die seit Generationen vereinbarte Standard-Antwort: Die Auftraggeber sind eben so und die Konsumenten sind eben so und die Umstände sind eben so und übrigens verkauft es.
Einstein abwandelnd: Um wie ein Schaf zu blöken muss man vor allem ein Schaf sein.

Mittwoch, 7. Juli 2010

vorläufig endlos: Social Media

52 cool facts hat Danny Brown zusammengetragen.
Das meiste werden Sie ohnehin wissen. Es lohnt sich aber, alles hintereinander aufzusaugen, wie einen nur halbbekannten Coctail. Und auf ein leichtes Schwurbeln der Realität zu achten.
PS:
Freunde haben heute glücklich einen gewissen Kristian zur Welt gebracht, ihr drittes Kind. Wenn er 21 ist - was wird ihm das sagen: facebook, twitter, social media. Was sagt Ihnen heute noch der damalige ständige Ärger, mit abstürzenden Kisten, anfälliger Software, ewigem Gepröbel, bevor etwas lief, kurzzeitig - vor 21 Jahren?

Dienstag, 6. Juli 2010

Tag des Küssens

Ist heute, tatsächlich - der Internationale Tag des Küssens.
Passend dazu wurden drei sogenannte wissenschaftliche Erkenntnisse publiziert.
Erstens:
Das menschliche Küssen ist nicht ein verspätetes Saugen des ehemaligen Kleinkinds, sondern das ehemalige Schnüffeln am Hinterteil, das nach oben wanderte.
Zweitens:
Menschen, die viel küssen, leben länger als jene, die wenig küssen.
Drittens:
Frauen denken dabei an etwas anderes als Männer.
Wieder ein Tag, an dem die Wisenschaft unser Leben reicher, klüger, sinnlicher macht. Zum Trost einer der besten Dekorateure zum Thema.

Montag, 5. Juli 2010

Zensur im Kopf

Workup.com berichtet über die Zensur im Internet.: Immerhin ein Viertel der Bevölkerung dieses vernetzten Planeten kann nur unter dem Einfluss von Zensoren kommunizieren.
Ein paar rauf oder runter: Interessant, wenn auch nicht überraschend ist, dass immer wieder Machthabende glauben, sie könnten durch Zensur unterdrücken, was ihnen nicht gefällt.
PS:
In wie weit sind eigentlich Verbote gegen Fotos von unten auch schon Zensur?
PPS:
Wenn Sie irgendeine Meinung über sich selbst zensieren könnten - welche wäre das?
PPPS: Vaclav Havel schrieb im Gefängnis ("Briefe an Olga", glaube ich), die wirksamste Zensur fände in den Köpfen der Menschen statt.

Samstag, 3. Juli 2010

Leben, geträumt

Wir sind nicht Sklaven unserer Gene.
Diese befreiende Nachricht stammt von Gottfried Schatz und der ist emeritierter Professor der Universität Basel.
Er schreibt in "NZZZ Online".
Unbedingt lesenswert: "Man sagt, jeder alte Mensch habe das Gesicht, das er verdient. Ähnliches gilt wohl auch für meine Gene."
Und: "Ein befruchtetes Ei gleicht einem eingestimmten Orchester, das lautlos auf den Einsatz des Dirigenten wartet. Alles ist noch Versprechen und die Partitur ein Traum, der seiner Erfüllung harrt.".
PS:
Wenn ich mir mein Gesicht ansehe, dann habe ich schon einiges an Partitur gelebt. So oder so und so auch. Wie geht es Ihnen damit?

Freitag, 2. Juli 2010

Neusprech, Neubild

Neusprech, die Manipulationssprache des diktatorischen Systems in "1984", gibt es in unseren Jahren längst, auch Neubild.
Nur ist es selten so präzis zu fassen wie hier.
Eine andere Variante von Neubild wird als ständig wachsende Vorführung geboten: Bis vor kurzem gab es von der deutschen Regierungschefin nur richtig nette Fotos. Und davon gab es viele, weil sie vorzugsweise dort erscheint, wo es etwas Nettes vorzuführen gibt. Sogar Tore der deutschen Kicker gehen dann auf ihr Bildkonto oder Lenas Trällern.
Jetzt geht es abwärts, denn diejenigen Bilder beginnen zu überwiegen, die nicht ihr Image zeigen, sondern ihren Charakter. (Siehe, z.B., die Titel des "Der Spiegel".)
Welche Neubilder sind Ihnen vor Augen gekommen?

Werkzeugchen, täglich

In Zusammenarbeit mit dem Business-Club innovativ-in
werden an 49 Werktagen hintereinander Werkzeuge von mir publiziert, kleine, schnelle Werkzeugchen.
Viel Glück!

Donnerstag, 1. Juli 2010

war da was?

Was war und was hätte sein können im grössten Land Europas entdeckte für sich und seine drei Millionen Leser Andre Glucksmann - zu finden bei den Perlentauchern.
Und sieht dieses Deutschland: "Und es ist schön, dass es ihm zuhört. Und Europa mit ihm."
Bleiben drei Haltungen:
1.
Nur schnell weiter. War fast nichts.
2.
Schade drum. Hätte was werden können.
3.
Das ist es.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Erasmus, dringend gesucht

David Gekernter, DER David Gelernter in "Welt Online" auf die Frage, was er sich von den grossen Internetfirmen wünsche:
Ich erwarte, dass Google und Apple ihre Software auf meine Bedürfnisse abstimmen und nicht, dass sie mir Werkzeuge präsentieren, an die ich mich dann anpassen muss.
Und weiter:
Es kann nicht angehen, dass heute noch Apple, Google und Intel dieses Feld beherrschen. Es müssten die Künstler sein, die Musiker, Regisseure und Philosophen. Aber das Internet steht noch immer unter der Herrschaft von Technikern.
Haben Sie sich schon mal an einer einfachen Klappe den Finger eingeklemmt? Den roten Knopf gedrückt und nachher erfahren, dass es der grüne hätte sein müssen? Vor einem blöden Radio gesessen, dass sich Ihnen nicht sofort und offensichtlich zum Gebrauch anbot? Die 325seitige INSTRUCTION! FOR! USE! für den neuen Toaster weggeschmissen?
Das alles und viel Widernatürlicheres machen Techniker. Sie sollten weiter tüfteln. Prima. Aber die Gegenwart interpretieren? Den Alltag sinnvoll bereichern? Auch nur einen einzigen Gedanken materialiseren, der schön ist? Schön?
Für das, was heute mit den besten Leuten möglich wäre, ist alles von Apple eine überaus limitierte Vorahnung. Was schon langt, um Kult zu sein. Der Rest ist nicht Schweigen, Prinz, sondern dumme, verbohrte, langweilige, destruktive Mittelmässigkeit - brave, genormte Welt von Technikern, zu Ende exekutiert von ökonomischen Autisten.

Samstag, 19. Juni 2010

Barden baggern besser

Heute morgens im Radio:
In einer gross angelegten Studie (folgte der eindrucksvolle Namen des Istituts) fanden Forscher (egal, welche) heraus, dass Frauen, die mit romantischen Liedern umdudelt werden, sich danach (signifikant!) leichter von durchschnittlich aussehenden Männern anbaggern liessen.
Das wusste jeder Latin Lover bisher auch, zuvor jeder Minnesänger, jeder Opernkomponist, jede Grille, Nachtigall, sogar jeder Wal. Insofern, Männer: dies ist ein kostenloser Tipp der Wissenschaft. Insofern, Frauen, die Ihr das eh schon immer wusstet: Verlinkt den heutigen Blog an all jene, denen Romantisches aller Art nie oder schwer über die Lippen kommt.
PS:
Apropos Synchronizität: Eben sendet derselbe Sender, Sie glauben es nicht: "Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich ...".

Freitag, 18. Juni 2010

wider den Unfug, wieder einmal

Steven Pinker ist Professor für Psychologie in Harvard und schrieb das Buch "The Stuff of Thought.”
Er argumentiert wider den Unsinn, dass uns die neuen Medien / Technologien blöde machten. Das Wissen, schreibt er, wächst exponentiell, aber nicht die Kapazität unseres Gehirns und unsere Wachphasen. Glücklicherweise würden uns das Internet und die diversen Informations-Technologien helfen, unsere gemeinsame intellektuelle Produktion zu managen, zu erforschen, zu erlernen. All das mache uns nicht dümmer, sondern würde uns intelligent halten.
Gut.
Es war Sokrates, der (in "Phaedrus") vor der neuen Technik des Buchs warnte; Erinnerungsverlust würde das bringen, den Geist ruinieren.

Sonntag, 13. Juni 2010

Leidenschaft

John Hagel spricht zu"The Power of Pull", seinem neuen Buch. Es lohnt sich, zuzuhören - nur nicht - oder gerade dann - wenn Sie an die kaum noch aktuelle Bertriebswirtschaft- und Management-Lehre glauben. Hagel feuert in drei Halbsätzen mehr Gegenwart ab, als die individuellen Gegenwarten im allgemeinen ertragen mögen.

Montag, 7. Juni 2010

Unser globales Dorf

Das ist ein Buch, das Sie staunen macht, selbst, wenn Sie das alles längst wussten oder ahnten: "Unser kleines Dorf".
Die grossen Zahlen (wir sind jetzt 7,5 Milliarden) beindrucken uns zwar, sie sind aber zu gross, also nicht greifbar. Hier rechneten die Autoren alles aufs dörfliche Mass; Bevölkerung nach Weilern (2000), beispielsweise:
Von den 100 Menschen in Globo lebten: 61 Menschen im Weiler Asien, davon 25 in Ostasien, 9 in Südostasien, 22 in Südasien, 4 in Westasien und 1 in Zentralasien, 13 Menschen im Weiler Afrika, davon 11 in Subsahara-Afrika und 2 in Nordafrika, 12 Menschen im Weiler Europa, davon 7 in Westeuropa und 5 in Osteuropa, 9 Menschen in Lateinamerika, 5 Menschen in Nordamerika und 0 Menschen in Ozeanien.
Von 100 Menschen des Dorfes zählen sich also höchsetns 26 zu dem Westen, dem Abendland, der westlichen Kultur - die sich gern als 100 Prozent versteht.

Samstag, 5. Juni 2010

Katastrophen-Zauber

Francois Walter schrieb eine Kulturgeschichte der Katastrophen: "Katastrophen".
Jenni Roth zum Thema in der "Welt": "Die Geschichte der Katastrophen lehrt, dass die Welt, um mit Max Weber zu sprechen, nicht entzaubert ist. Im Gegenteil: Die Welt wird neu verzaubert."
Nicht neu verzaubert. In einigen, wenigen Weltgegenden schien die Welt entzaubert - für alle, die sich eine vergitterte Brille aufsetzen und dann behaupten, rein rational zu erkennen. Und, beispielsweise, so tun, als sei es möglich "von aussen" zu erkennen, als sei die Unschärfe-Relation ein Scherzchen für müssige Stunden auf dem Campus und die riesigen schwarzen Löcher des Nichtwissens nur der eine oder andere Fliegendreck, den die akademischen Putzfrauen demnächst wegwischen würden.
Schon die Gegensätze "verzaubert" - "entzaubert" demonstrieren das Problem: Als sei irgendein Zauber dem nützlichen Erkennen hinderlich. Als müsse sich erst entzaubern, wer mit Katastrophen umgehen will. Und so weiter.
Jener Albert Einstein meinte, das Mysteriöse sei die Quelle aller Kunst und Wissenschsft.

Freitag, 4. Juni 2010

Social Media, Grundstufe

"Webstandard" bringt eine Serie von Artikeln zu Social Media und dem ganzen Rest.
Unangestrengt, lehrreich, nützlich.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Revolution des Lernens

Während der TED-Talks in Longbeach im Februar sprach Sir Ken Robinson über eine Tragigkomödie, die wir dringendst revolutionieren sollten: unser Lernen.

Er sagt, wir müssen unsere Metaphern von industriellen zu bäuerlichen wechseln. Eine solche industrielle Metapher ist: Du fängst hier an zu lernen - und dort bist Du am Ziel, dort hörst Du auf. Was mich betrifft: Ich bin überall dort am dümmsten geblieben, wo ich dieser Metapher gehorchte. Und weniger dumm, wo ich sie missachtete. (Lernen beispielsweise wie ein Komposthaufen, wie Säen, wie Schweinezüchten.Etc.)
Wie ist das bei Ihnen?

Magie, was sonst

Wenn Sie sich drei Minuten gehen lassen, dann erzählt Ihnen dieses Video eine Geschichte in die Zukunft.

Dienstag, 1. Juni 2010

unnützer Kram

"Time" publizierte die nach ihrer Meinung unnützesten, schlechtesten Erfindungen: Segway, New Coke, Clippy, Agent Orange, CueCat, Subprime Mortgages, Crinoline, Nintendo Virtual Boy, Farmville, Hydrogenated Oils undso weiter.
Alle Erfindungen probierten etwas Neues. Was sie unterscheidet:
* Einige sind Spielereien, Basteleien.
* Einige sind erbärmlich mittelmässige, langweilige Mehr-Des-Gleichen-Marketing-Versuche.
* Einige sind bösartig, vom ersten Moment an.
Und alle sind Beispiele des Wandels. Mamma Evolutions Geheimnis ist, wie erinnerlich: Fehler machen.
PS: Was war Ihr Lieblingsfehler in letzter Zeit?

Montag, 31. Mai 2010

über den Wolken

Rudolf Maresch schreibt der Verlags- und Bewusstseinsindustrie auf den Arbeitszettel, auch sie müsse einsehen, dass die digitale Revolution die Karten neu mischt und verteilt.
Und schwierig sei, dass die Branche die Probleme unter Bedingungen des Blindflugs lösen muss - ähnlich, wie das Niklas Luhmann seiner Systemtheorie androhte / versprach:
"Der Flug muss über den Wolken stattfinden, und es ist mit einer ziemlich geschlossenen Wolkendecke zu rechnen. Man muss sich auf die eigenen Instrumente verlassen. Gelegentlich sind Durchblicke nach unten möglich – ein Blick auf Gelände mit Wegen und Siedlungen, Flüssen und Küstenstreifen, die an Vertrautes erinnern; oder auch ein Blick auf ein größeres Stück Landschaft mit den erloschenen Vulkanen des Marxismus. Aber niemand sollte der Illusion zum Opfer fallen, dass diese wenigen Anhaltspunkte genügen, um den Flug zu steuern."
Ich weiss nicht, ob Sie sich nachhaltig im Netz seiner Systhemtheorie verfingen. Nahezu rührend ist die Metapher des Flugs über den Wolken. Alle begeisterten Anhänger Luhmanns, denen zuzuhören ich bisher die Ehre hatte, klagten gelegentlich über den Blindflug. Oder führten ihn vor. Aber nicht über den Wolken, sondern in einem geschlossenen System.
PS: Reicht Ihnen der Begriff "Revolution" aus, um das zu verstehen, was gerade jetzt geschieht?

Sonntag, 30. Mai 2010

Sie, der KIM IL SUNG

Im Wiener Museum für Angewandte Kunst (übrigens: angewandt ist reizvoll vieldeutig, jedenfalls als Klassifizierung von Kunst), im MAK also in Wien gibt es rund 100 nordkoreanische Ranschmeissereien an Kim Il Sung zu sehen. Staatskunst also. Ein Fressen für Kunstkritiker.
Ja, scheusslich. Ja, wie bei Hitler und Stalin und allen anderen Massenmördern.
Und dann gehen wir aufatmend in die nächste GROSSE! ZEITGENÖSSISCHE! KUNST! MARKT!-Austellung von Jeff Koons. All die hübschen Plastikdinge, die seine Leute gemacht haben. Und dann schnell zu Damien Hirst und einem zerschnittenen Regenwurm in Aspik. Ach! Schnell noch zu dem zerkrümelten, dreckigen Bett, dass jetzt hohe Kunst ist, weil die schlampige Frau, die darin wochenlang schlief, es in ein Museum stellte. Nun aber endlich zu den korrodierten Blechen, die ein Perückenträger von einem Assistenten bepinkeln liess.
Warum machen solche Leute sowas? Weil sie sich an ihren Diktator ranschmeissen. Dieser Dikatator sind Sie und ich, als kleine Teile der Masse Öffentlichkeit, als Partikel des Zustands Aufmerksamkeit.
PS: Selbstverständlich sind Sie nicht Kim Il Sung. Aber schauen Sie mal da und dort auf den Gurcks, der Ihnen vorgesetzt wird. Und was Ihnen dabei nicht nur zugemutet wird, sondern auch unterstellt.

Freitag, 28. Mai 2010

Web 3.0: wird viel sein

Diese Video zeigt Ihnen einige erstklassige eggheads beim Plaudern über ihre Vision des Web 3.0: Keine Ahnung. Aber viel wird's sein. Und ganz anders. Und höchst komplex.
Das Geraune ist charmant und lehrreich - hier:

Web 3.0 from Kate Ray on Vimeo.

Donnerstag, 27. Mai 2010

2 Götter

Wandel bringt neue Chancen:
Unser guter Freund X hier auf der Insel stammt von hier, fing durch allerlei Leben aufgeschreckt vor drei Jahre an, im Winter nach Thailand zu reisen, hat hier sein Geschäft (er muss also in drei Monaten sein Jahr verdienen) und sorgt sich um die künftige Saison.
Aber sagt er, ich glaube, es wird gut.
Jedenfalls bete ich darum. Jeden Tag.
Oh! Ja?
Ja. Und jetzt hab ich zwei Götter. Den griechischen und Buddha.

Wandel bringt neue Götter.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Vodoo der Statistiken

"Die Wirtschaft erholt sich überraschend schnell", erstaunt sich die OECD, inklusive Statistiken.
Für all unser Zittern, unser Hoffen, unser Irgendwasmeinen werden wir mit Statistiken gefüttert. Mir geht es hier nicht um den Jux, der Winston Churchill zugeschrieben wird: "Ich glaube nur Statistiken, die ich selbst gefälscht haben", nicht darum, sondern um Folgendes:
1. Was immer auch gerade Trend ist, hochgeblasen oder sonstwie manipulieret wird, das wird in Hastdunichtgesehen von einem Schwall von Statistiken getragen.
2. Was als richtig propagiert wird, dito. Und natürlich das Gegenteil auch.
3. Viele Leute bekommen andauernd Geld für Unfug, der als rationales Wahrheit dargestellt wird.
Alles wie immer oder doch wie seit langem.
Aber das Erstaunlichste ist die Statiskik selbst: Einige Zahlen und andere Daten werden mit dem Wachs methodischen Zaubers zusammengeknetet, ein flotter Titel ziert das Ganze, blutrot leuchten ganz, ganz gefährliche Details oder hoffnungsgrün romantische Dekorationen - und wenn Sie jetzt die lange Nadel der Massenkommunikation hineinstossen, wird bald etwas verderben: ein Mensch, ein Staat, eine Idee ... egal.
PS: Den besonders rührigen Puppenspielern sollten wir eine Reise nach Haiti spendieren, zu den Erfindern von dergleichen Magie.

Montag, 24. Mai 2010

Pfingsten & Tom Cruise & Cameron Diaz

Sie glauben, dass bringt kein Mensch zusammen?
Doch, das Netz, hier.

Sonntag, 23. Mai 2010

ein Gott namens Craig

Spätestens seit gewissen Horror-Filmen kennen wir die wilden Kerle, die Leichen stehlen lassen und dergleichen, weil sie partout neus Leben aus altem totem Zeuig schaffen wollen.
Frankenstein gelangs nie für länger. Craig Venter sieht das anders: Er habe künstliches Leben geschaffen. Jetzt beginnt die Schöpfung 2.0. Seine.
Wir verfügen über Dutzende von Konditionierungen, wie Erziehungen, Bildungen, Religionen etc. um sofort entsetzt zu sein. Und auf die Strafe von oben zu warten.
Die wird wohl ausbleiben.
Was nicht ausblieb ist Gegenwart. Was mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausbleibt, ist die Gegenwart morgen, also Zukunft.
Und was erwarten Sie von ihr, der Zukunft?

Freitag, 21. Mai 2010

0,05

Welch selten akzeptable Idee das Wortmonster "FINANZTRANSAKTIONSSTEUER" meint, zeigt dieses Video.
Das englische Original ist ebenbürtig.
Mehr hier.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Wandel ist. Heute.

Hier ist die deutsche Fassung eines Videos, das 2006 in den USA produziert wurde.
Die Zahlen heute sind noch eindrücklicher. Wie nebenbei zeigt das Video auch, wohin - unter anderem - sich unser Schreiben und Lesen entwickeln. Bei allem Altherren-Kulturpessimismus ("Wie wir leiden unter dem Mukltitasking, oh, oh!") und den Bannern mit "Qualitätsjounalismus", die überall aufgestellt werden, wo die Angst nach Parolen verlangt, Pfeifereien in digitalen Wäldern, nicht zu vergessen all die zerquälten Eltern, die "Mein Kind lernt nicht Lesen und Schreiben, weil die Lehrer so ausgebrannt und die Spielkonsolen überall in den Kinderzimmern sind, besonders bei uns ................ bei all dem gibt es ja
LES+SCHREIB-SCHÖPFUNGEN
überall.
Dieses Video ist HEUTE. Eines von vielen Heutes. Ein Lustschreiben. Ein Lustlesen. Ein Lustvielleicht. Was eine Gegenwart.
PS:
Letzten Monat warf mir einer vor, ich hätte ein Buch geschrieben, dass sei ja nicht richtig zum Lesaen, nur Powerpointfolien.
Ach?
Ja!
Was stört Sie daran?
So ist kein Buch, kein richtiges Buch.

Dienstag, 18. Mai 2010

nicht gelesen, gesehen, gehört

Als mir morgens das dritte Mal derselbe Schwurbel desselben verschlagenen Gesichts durch die Nachrichten scrollte, erfand ich ein neues Spiel. Sicherlich machen Sie das oder etwas Besseres längst. Ich war augenblicklich amüsiert über das Vergnügen und auch darüber, dass ich so lange dazu brauchte:
Von jetzt an wächst die Liste von Herrschaften, die ich nicht mehr zur Kenntnis nehme.
Heute geriet ein gewisser Herr Koch darauf; ich vergass schon, was der macht.
PS:
Haben Sie auch eine derartige Liste? Ist die immer gleich? Oder wächst sie?
PPS:
Robert Neumann, der in gut geübter gegenseitiger Hassliebe mit Hans Habe wie der auch in Ascona lebte, reimte das so: "Der See, er stinkt, die Luft ist rein. Hans Habe muss ersoffen sein."

Sonntag, 16. Mai 2010

zwei Regierungen

Das neueste Gezeter über das, was ein gwisser Herr Ackermann von sich gab, verdeckt den eigentlichen Wandel:
Es gibt eine einigermassen demokratisch gewählte Regierung. Und es gibt längst eine globale Regierung der Geldverleiher. Die erste Regierung ist nahezu machtlos, wenn es um die weltweite Finanzwirtschaft geht. Die Zweite Regierung beherrscht diesen Markt. Und mit diesem Markt weitesgehendst die Wirtschaft. Und die Politik. Und manchmal platzt es halt raus aus so einem, der meint, er herrsche und damit Recht hat - aber das eigentlich nicht zeigen sollte und doch so ganz gewiss ist, gewiss bis zur Unfähigkeit, sich an die Manieren der Unauffälligkeit zu halten, dem Geschäft zuliebe. Noch sollte so einer nicht so unverblümt plaudern. Noch nicht.
PS: Dergleichen Grossfürsten des Geldes können nicht abgewählt werden, richtig. Etwas anderes lässt sich noch wählen: Mit welchen Banken man Geschäfte macht.

Samstag, 15. Mai 2010

öffne die Tür

Das wäre ein Samstag, beispielsweise, um sich noch einmal darüber zu wundern, dass ein einzelner Banker die mediale Bühne bekommt, um die aktuelle Krise des Euro tiefer zu schwatzen, dazu noch einer, dem die Regierungschefin den Geburtstagskaffee im offiziellen Amtssitz ausrichtet.
Dann wäre einmal mehr Brecht zu zitieren, der sich fragte, was der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank sei. Wiederholung.
Ich lade Sie lieber ein, sich gleich ins allgemein anerkannte kriminelle Millieu zu klicken: Wenn es sie erwischt - öffnen Sie einfach die Tür.

Freitag, 14. Mai 2010

Freitag, Zeit-Werkzeug

Dali, schnurrbartzitternd, meinte: Am liebsten erinner ich mich an die Zukunft. Bertrand Russel (und eine Kompanie anderer Philosophischer) zogen lustvoll komplexe Kreise um dergleichen Provokationen. Russel schrieb jung eine Biographie. in der er sehr alt wurde.
Erstaunt uns, dass sein rückerinnerter Entwurf im Wesntlichen sein späteres Leben beschrieb? Ja, erstaunt uns, abgebrüht wie wir sind, denn wir hoffen darauf, dass wir diese Sache mit der Zeit eines Tages besser verstehen. Und dann glücklicher damit umgehen können.
Hier ist das Werkzeug: Beschreiben Sie das Entscheidende, Bewegende, Verändernde, Hoffnungsvolle Ihrer nächsten 3 Jahre - rückblickend vom 11.November 2013.
Was ein Freitag.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Goggle ist es, nicht der Tod

"The Atlantic", himself, immerhin, fragt sich in einem langen Essay, wie man (Atlantic?) die News retten könne. Und: Jeder weiss, dass Google das Geschäft mit den Nachrichten tötet.
Dies ist nun eine Nachricht, die wirklich neu ist.
Bisher galt, dass der Tod, der Gevatter, der grosse Schnitter, alles tötet. Was das Geschäft mit den Nachrichten betrifft, schien allgemein vereinbart, dass Geschäfte daran sterben, dass nicht mehr gewollt wird, was jemand anbietet, dass es so nicht gewollt wird, dass andere es besser anbieten oder billiger, dass die Verantwortlichen zu wenig klug sind, um zu sehen, was kommt und / oder zu faul, um etwas zu unternehmen, dass die Betroffenen zu sorglos sind, zu hoffnungsvoll, zu arrogant. Und immert so weiter. Tausend gute Gründe.
Gillt alles nicht mehr. Laut "The Atlantic" und zahllosen Betroffenen in den bisher die Nachrichten monopolisierenden Strukturen. Gründet erstens einen Verband der im Nachrichten-Geschäft Bedrohten. Schafft einen Claim, der überall gedruckt, geflimmert, irgendwie unters Volk gebracht wird: "GOOGLE KILLT!"
Das wird geschäftlich nichts ändern. Aber alle werden sich im Recht fühlen, während sie in die Grube fahren.
PS: Hier ist ein Test, den ich probierte und empfehlen kann: Nehmen Sie sich irgendeinen Wochentag. Lesen Sie eine halbe Stunde die Nachrichten in ihrer Lieblingszeitung. Investieren Sie nochmals 30 Minuten, um sich für Sie relevante Nachrichten aus dem Netz zu holen.
Ich würde sehr gern von Ihnen hören, wie es Ihnen ergangen ist.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Piraten, neualt

Die Geschichte ist nicht neu.
Aber sie ist charmant adaptiert.
Warum ich Sie darauf aufmerksam mache?
Weil hier richtig Sommer ist. Weil das Neualte mich immer wieder frappiert. Obwohl ich es wirklich wissen sollte. Als Neualter.
Vielleicht ist es so, dass sich die Witze derMenschen zuletzt ändern. Ein Freudscher publizierte mal eine Studie, nach der es nur fünf Witze gäbe.
Auf wieviel kommen Sie?

Dienstag, 11. Mai 2010

Gigolo oder Dildo

Die gedruckten Medien nehmen ab, verdienen immer weniger Geld oder gar keins mehr und phantasieren sich sichere Zukünfte durch iPads herbei.
Nicht so "Linda" in den Niederlanden. Die wird von einer Million Frauen gelesen. Chefredaktorin ist eine Fersehmoderatorin. Neuen Abonnentinnen bietet Linda wahlweise zwei Stunden mit einem Callboy oder einen Dildo.
Von dergleichen Creativität lässt sich lernen: wahlweise könnten zwei Stunden mit einem Investment-Banker oder ein "Monopoly" mit echten Dollars von einer Wirtschafts-Zeitung angeboten werden. Ein Privatfernsehsender könnte zwei Stunden labern mit Oliver Pocher anbieten oder gleich ein Heimkino, das nur den Abonnenten zeigt. "Osservatore Romano" böte dann vielleicht einen netten Abend mit einem abgesetzten Bischof oder Weihwasser aus der Pipeline.
Ja, mitten im Wandel werden wir einfallsreich.
PS:
Was schlagen Sie "Iran" vor, die in Teheran erscheint?

Sonntag, 9. Mai 2010

Muttertag

Statt weiterer Worte:
Wikipedia sagt alles und stellt die emotionalen Schulden auf die profitablen Füsse.

Samstag, 8. Mai 2010

wer stoppt unnütze Fagen?

Wer stoppt Steve Jobs?
titelt "Die Zeit" online.
Die Frage ist unnütz.
Erstens: Warum sollte das jemand wollen ausser seinen Konkurrenten?
Zweitens: Steve Jobs wird sich selbst stoppen, irgendwann; oder der Tod macht's.
Verdeckt wird dadurch etwas anderes, das immer wiederkehrt - nein, nicht der gelbe Neid oder der wirtschaftliche Unverstand oder die Früchte der Einfallslosigkeit dahinter, nein, all das und mehr nicht, sondern: dass der Markt tatsächlich demokratisch funktioniert.
Teilweise. Unvollkommen. Aber eben trotzdem.
Kein Bill Gates wäre dieser Bill Gates geworden ohne die Millionen, die über Mocrosoft fluchten und - Schlange standen für das neueste Bugsammelsurium.
Kein Steve Jobs wäre jetzt dieser Steve Jobs, dessen Firma jeden Tag 36.000 iPads verkauft - ohne die 36.000 Menschen, die Apple die Bude einrennen und kaufen. So simpel wie das ist auch, dass Apple nur ein einziges schwaches, mittelmässiges, ängstliches, langweiliges, hässliches Ding auf den Markt bringen muss (dergleichen wie seine Konkurrenten): da wäre kein Schlangestehen mehr, kein Kult, kein Hype, kein Garnichts; ausser der Sehnsucht, es möge doch wieder etwas geben, dass man begehren könne.
Ja?
Was begehren Sie so?

Donnerstag, 6. Mai 2010

viereinhalb Tote

Bei den Tausenden, die täglich sterben, bei den Millionen in diesem Krieg und Hundertausenden im nächsten Abschlachten sind drei, genauer: viereinhalb Tote so gut wie nichts.
Es sei denn, es betrifft Sie, Ihre Freunde oder Nachbarn.
Es sind meine Nachbarn.
Und eine in Athen geborenen Nachbarin erklärte mir gestern, was auf der Strasse dazu gesagt wird:
Was tut man uns an? (Was meint, was tut das Ausland uns Griechen an?)
Was haben die denn in der Bank gemacht, obwohl Streik war? (Die viereinhalb toten Menschen; eine der getöteten Frauen war schwanger: Irgendwie selbst schuld?)
Wieso haben wir nur korrupte Scheisskerle in der Regierung (ausser dieser jetzt) und in den Gewerkschaften und überall?
Jetzt werden Hoffnungen auf eine Revolution lautstark propagiert.
Nein, kein Wandel der Ideen, der Vorschläge, der kollektiven Weisheit.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Wandel der Psycho-Moden

Der französische Philosoph Michel Onfray lärmt grad sehr französisch herum:«Le crépuscule d’une idole: L’affabulation freudienne».
Er vergleicht die Wirkung der Psychoanalyse mit dem Exorzismus eines Priesters und mit jener der Homöopathie – alles ein einziger Placebo-Effekt, meint er. Psychoanalyse sei eine nutzlose Übung, eine Art Religion.
Onfray ist ja nicht der Erste, der die Psychoanalyse zentral angreift. (Die "NY Times", glaube ich, titelte "Der Irrtum des Jahrhunderts".)
Und sie ist ist nicht die erste Mode, die ausser Mode kommt. Es gab schon Versuche, Menschen zu heilen, in dem man sie mit Steinen beschwert in Flüsse versenkte, mit heissem Öl das Böse aus ihnen herausbrannte, folternd die bösen Geister in Menschen zum Sprechen brachte.
"Die Psychonanalyse ist jene Krankheit, die sich für ihre Therapie hält", so Karl Kraus.
PS: "Psychoanalyse" bringt mehr als 5.000.000 Hits bei Google.

Dienstag, 4. Mai 2010

Keine Wiederkehr des Blödsinns

Uwe Peter Kanning ist Wirtschaftspychologe, schreibt Bücher, beispielsweise "Wie Sie garantiert nicht erfolgreich werden!" und gab Spiegel Online ein Interview zu der beliebten Scharlatanerie bei der Personalauswahl, die absurdesten Methoden, insbesondere die sogenannte Psycho-Physiognomik. Die behauptet, anhand der Schädelform, der Gesichtszüge, der Form von Nase und Ohren Aussagen über die Persönlichkeit machen zu können. Herr Kannig, schockiert: "... es gibt Belege, dass auch renommierte Konzerne auf unwissenschaftliche Methoden setzen."
Genau. Schrecklich.
(Wie erfolgreich sind eigentlich wissenschaftliche Methoden? Mit dem Szondi-Test geniale CEOs aussortieren? Mit dem Rorschachtest die Premierminister wählen?)

Das allerdings ist kein neuer Blödsinn. Das ist ein alte Eselei. 1775 traf Goethe Lavater - in der "Reblaube" in Zürich - um die Kunst der Phrenologie zu diskutieren.
Darüber wurde bewundernd berichtet. Als G.C. Lchtenberg das las, notierte er in eines sein er wunderbaren Sudelbücher: "Eines Tages wird einer kommen und den Charakter eines Menschen aus der Form seiner Exkremente deuten".
Ich hoffe, Sie gehören zu den wenigen, die von dergleichen Blödsinn nicht geschädigt wurden.

Sonntag, 2. Mai 2010

Lacht ein Gott?

Weil Sonntag ist, eigentlich, und für alle, die es schon nicht mehr hören können, wie missgelaunte Männer hinter Kindern her sind und gleichzeitig dem Rest der Menschheit das Paradies androhen:
Bodhisattva in der Metro.
:)

Dienstag, 27. April 2010

Kruzifixkopftuch

Dass eine Türkin eine deutsche Ministerin wird, zeigt, dass der Wandel auch die verharzten politischen Strukturen aufbricht. Dass Frau Özkan erst Abbitte leisten musste, belegt, wie selbst im überraschendsten Wandel die Vergangenheit hockt wie die Meinungsfreit fressende Spinne im Chorgestühl.
Zu Kreuze gekrochen ist sie, indem sie Ihren Vorschlag zurücknahm, dass Kreuz aus den Schulzimmern zu entfernen: "Christliche Symbole gehören nicht in staatliche Schulen".
Und keine Kopftücher. Und so weiter.
Und irgendwann gehören vielleicht auch Zukreuzekriecher nicht mehr in staatliche Ministerien.

Montag, 26. April 2010

Papst retten

Ein junger, dynamischer, phantasievoller Mann im Aussenmisisterium der Briten sammelte einige Vorschläge dazu, wie der künftige Besuch des Papstes erfolgreich werden könne.
Dazu gehörte, eine Schwulenehe zu segnen, eine Abtreibungsklinik zu eröffnen, Benedikt-Kondome vorzustellen, zwielichtige Bischöfe zu feueren und sich für dies oder das zu entschuldigen.
Grosse Empörung. Der Chef des jungen Mannes entschuldigte sich förmlich.
Wofür eigentlich?
Stellen Sie sich vor, wie das die Welt verändern würde. Wie Benedikt leuchtete. Wie die katholische Kirche wie Phönix aus der Asche stiege.
Wenn wollen Sie heute retten?

Sonntag, 25. April 2010

Löschen, jetzt digital

Google hat ein neues Werkzeug vorgestellt: das "Government Request Tool".
Eine Regierung bittet darum, dass ein bestimmter Inhalt gelöscht wir, eventuell gibt es richterlichen Nachdruck - und Google löscht; oder nicht.
Vorläufig geht der Löscher auf Samtpfoten und löscht, was allgemein nicht akzeptabel ist, wie faschistischen oder pädophilen Schweinkram.
Dennoch: Das ist nahezu der alte Traum der Diktatoren, Gewaltherrscher und bürokratischen Vollstrecker von Massenmördern: auslöschen, was nicht sein durfte, nicht sein darf, nicht werden darf.
Lässt Sie das kalt?

Samstag, 24. April 2010

Ausblick : Einblick

Einem wie mir, unterwegs mit diesem oder jenem Werkzeug zum Wandel, begegnet gelegentlich die Furcht in Fragezeichen: Veränderung? Wandel? Evolution? Ist doch halb so wichtig, halb so schnell, halb so gewaltig.
Ab heute antworte ich darauf mit einer URL.

Donnerstag, 22. April 2010

Gemischte Sauna Internet

„Das Internet ist wie eine gemischte Sauna“
so Jeff Jarvis der in den Kraushaaren gefärbte Egghead des Internets
Wenn er zum größten deutschen Bloggertreffen kommt, ist ihm die Aufmerksamkeit sicher.
("Die wenigen Typen hier sollen die Hälfte aller deutschen Blogger sein?")
"Die Deutschen sind total versessen auf totale Privatheit - abgesehen von ihren privatesten Teilen" ist so ein Satz, der nicht richtig sein muss, jedenfalls aber eine Frage auf den Punkt bringt, wo sie keine Ruhe mehr gibt.
Vielleicht deswegen, weil es ohnehin nie um Privatheit oder Intimität oder Datenschautz geht? Sondern um Kontrolle? Kontrolle von allem und jedem?

Montag, 19. April 2010

Geld fressen alles auf

In der Schweiz, die viel innovativer, risikofreudiger und verwegener ist, als das ihren Steuer hinterziehenden Fans angenehmen sein sollte, in der Schweiz wird zur Zeit eine Idee diskutiert, die ehrlicher ist, einsichtiger und suizidaler als die Ideen zu Bildungsreformen auf dem Rest des Planeten:
Statt die Aufgaben für Erziehung und Ausbildung in einem eigenen Department (= Ministerium) zusammenzuziehen, soll der ganze Bildungskram ins Wirtschaftsdepartment eingegliedert werden.
Wenn Ihnen also demnächst Leute begegnen, die in jeder Währung rechnen können, aber keines klaren Gedankens fähig sind, von allem den Preis wissen, von Nichts den Wert – sagen Sie bitte deutlich und freundlich: Gruezi. Das können wir dann noch beantworten; allerdings nur gegen Kreditkarten-Abrechung.

Idioten : Kriminelle

Die kürzliche Generalversammlung der Grossbank UBS stimulierte allerlei Innovationen. (Wenn auch nicht bezüglich der drängenden und nicht sehr schweizerischen Probleme.)
Erstens war es das erste Mal, dass den Verantwortlichen eines bekannten Unternehmens für ein Geschäftsjahr die Entlastung verweigert wurde. Was ungefähr so aufmüpfig ist wie es das Gelächter guter Katholiken über ihren machtstarren Kardinal wäre.
Zweitens erklärte eine Vertreterin der Mitarbeiter, nicht alle Idioten seien automatisch Kriminelle. Damit meinte sie frühere Chefs der Bank. Was die zwar in gewissem Sinn verteidigte, aber nur um den Preis, dass deren bodenlose Dummheit eingeräumt wurde. (Offen blieb, wer die Idioten waren, die Idioten beriefen und ob dergleichen mafiöses Verhalten von Debilen in dieser Bank als üblich gilt.)
Und drittens fragte ein empörter Aktionär den Bankchef, ob der ihn und die anderen Aktionäre für blöd hielte. Der hüllte sich in Schweigen. Was sehr beredt war, immerhin.

Donnerstag, 8. April 2010

unterwegs

Einige Tage bin ich unterwegs und schreibe hier, wenn ich kann.
(Unter anderem werde ich an einem Ort sein, an dem man es für einen spirituellen Vorsprung hält, weder TV noch Netz bereit zu stellen. Was etwas weiter östlich hiesse, dem Menschen im Zen-Koster den Besen zum Kehren des Gartens weg zu nehmen. Und zu versprechen, das bringe ihn spirituell weiter. Es sind schon Erleuchtete für geringere Provokationen mit der Reisschüssel geschlagen wortden.)