Freitag, 5. März 2010

Freitag: Angst

Erfolgreiche Menschen = diejenigen, die so leben, wie sie leben möchten. Mehr oder weniger. Niemand ist perfekt, glücklicherweise. (Der Dalai Lama sagte in einem TV-Interview, sein Hobby wäre, alte mechanische Uhren zu reparieren. Nur würde er eben zum Schluss einige Teilchen übrig haben. Und strahlte.)
Allerlei Stimmen aus dem endlosen Palaver der Menschheit über Leben, Sinn und den ganzen Rest, einige also meinen, erfolgreiche Menschen unterschieden sich von den anderen durch ihren Umgang mit Angst. Hier finden Sie 21.000.000 Hinweise zum Thema.
Viel einfacher machte es sich ein Mann, den ich in einem Flugzeug traf. Er holte aus seinem Attachecase eine winzige Puppe, setzte sie vor sich auf das Tablett, ass murmelnd sein Dinner und stopfte dann die Puppe in seine Hemdtasche.
Immer, erklärte er mir, wenn ich Schiss habe, richtig Schiss, dann nehm ich die raus, erzähl, wovor ich Angst habe und steck sie in die Tasche.
Und dann?
Dann mach ich, was ich machen will und die bleibt solange da, solange, bis der Schiss weg ist.
Also, zusammengefasst: ...

Kommentare:

  1. Nach meiner Erfahrung ist Angst einer der größten Probleme bei vielen Angestellten. Angst vor dem Risiko. Angst vor der Selbständigkeit. Angst vor der Eigenverantwortung.

    Statt sich der Angst zu stellen, bleiben Sie lieber in ihrem (scheinbar so) sicheren Job. Und übersehen dabei, dass sie ihre Problem-Lösungs-Muskeln dabei verkümmern lassen.

    http://team-success.de/blog/2009/01/27/angestellt-oder-selbstaendig-wer-traegt-mehr-risiko/

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  2. Sich genau beschreiben, wovor man Angst hat, hilft.

    Pfeifen hilft auch manchmal, vor allem im Wald.

    Sich genau beschreiben, wie das eigene Leben aussieht, wenn man jedesmal, wenn man Angst hat, einen Rückzieher macht, hilft sogar sehr.

    Hier eine Liste der bekannten Phobien, zum Lesen und Staunen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Phobien

    Heeeeee-Haaaaaw!

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  3. Viktor Frankl hatte Höhenangst und: er bestieg Berge, um dieser Angst zu trotzen und wurde begeisterter Bergsteiger und machte mit ungefähr 70 den Flugschein... (übrigens wird seine Lehre als "Höhenpsychologie" - als Gegenmodell zu Freud´s "Tiefenpsychologie" - bezeichnet)

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  4. Vor zweieinhalb Jahren sagte einer, der 140 mal größer ist als wir: 'Verkauf mir Dein Geschäft oder Du hast bald nichts mehr zu verkaufen!' Ich sagte: 'Geh besser einen Schritt zurück, damit ich Dir nicht die Faust in die Fresse haue.' Da sprach die nackte Existenzangst + Testosteron.

    An einem Mittwoch, zwei Monate später, hatte ich eine Angstnacht hinter mir ohne Testosteron. Denn ab diesem Mittwoch gab es unser Produkt 3 Mal in der Stadt: ein Original, in dem jeder mm seinen Preis hat und gleich 2 Plagiate in denen jeder mm for free war. Zu allem Überfluss stand auf einem Plagiat auch noch 'Das Original'.

    Wenn ich nicht so gerne leben würde, hätte ich mir in dieser Nacht das Leben nehmen können, denn ich konnte mir - mit diesem Multimillionär als Gegner - nicht vorstellen, dass es noch einmal so schön wird, wie es mein Leben lang war. Hätte ich mir tatsächlich aus Existenzangst dieses Leben genommen, hätte ich nie erfahren, wie sehr wir mit dem was wir tun von den Menschen in der Stadt geliebt werden. Diese Liebe konnte der Multimillionär bis heute nicht kaufen. Das hat der Kaufmann auch bemerkt und fängt heftig an zu sparen.

    Für uns war das Gefühl der Existenzangst ein heftiger Tritt in den Arsch. Statt auf langen Autofahrten im südlichen Süden über das wann und wie des Aufhörens zu philosophieren, werden wir Ende des Monats einen Internetauftritt rausrollen, den wir frei selbst gestalten. Damit werden die Heftmacher zusätzlich zu Netzmachern. So war die Angst der Motor für einen zweieinhalbjährigen Lernprozess, ohne den Netzautonomie nicht machbar wäre. Arno sagt danke!

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  5. wow, Arno! Kann mir gut vorstellen, dass Du das magst, was Du täglich im Spiegel siehst.
    Harald sagt Danke für Deine Geschichte und wünscht Dir alles Gute fürs Kommende!

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  6. Harald, Deine Bemerkung zum Spiegelbild ist mir das Wochenende über durch den Kopf gegangen.

    Wahrscheinlich, weil sie so unmittelbar auf den Verweis zu Mitscherlich & Mitscherlich über Deutsche ohne ihr Spiegelbild traf.

    Die Gedanken sind weiter im Gang ... ... ... .)!

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  7. Was sonst ist so lebendig, als plötzlich gewahr zu werden, dass man geliebt wird?
    Du hast Dir dabei vielleicht zweimal die Hand gebrochen, einmal die Maschine in den Frass gefahren, dreimal kleine Hunde angeschrieen, zwei Äpfel geklaut, 391mal nicht wirklich zugehört, Fehler über Fehler gemacht - UND PLÖTZLICH!

    Unglaublich, wie sehr in Ordnung das Universum sein kann.

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  8. Das noch zum Bild im Spiegel:

    Einige Jahre nach dem Krieg, in West-Deutschland geboren, bin ich vor keiner roten oder anderen Armee geflohen. Als Kind von Flüchtlingen hatte ich allerdings deren Geschichten von der Flucht im Ohr und in eingebildeten Bildern vor mir gesehen. Erstaunt hat mich von Anfang an die zähe Sesshaft der Altvorderen. So ist mir von Klein auf der Gedanke fremd, mit einem Bollerwagen + Kind und Kegel hinten aus dem Ort raus zu laufen, wenn vorne die gegnerischen Sturmtruppen einrücken. Sesshaft erschien mir aus diesem Blickwinkel, eine geradezu gefährliche Illusion.

    Bei 1 Mio Jahresumsatz, denen 140 feindlich gesonnenen Mios gegenüber stehen, schaue ich nicht in den Spiegel sondern aus dem Fenster und beobachte wie viel Zeit uns die Menschen im Markt für den jetzt anstehenden Wandel wohl geben werden. Wenn ich weiß, wie der Hase läuft, rufe ich die Firma zusammen und sage: wir sind unterwegs zu einer neuen, guten Zeit. Den bekannten Zeltplatz haben wir bereits verlassen. Damit sind nicht alle einverstanden, dass die fetten, bequemen Jahre Geschichte sind. Sie wollen am Ort bei den fetten Jahren bleiben. Es ist ihre Heimat, sagen sie, auf die sie ein Anrecht haben. Im Gehen, können wir noch einige Kilometer diese Frage diskutieren, aber ich halte dafür nicht an. Wer nicht mit will, muss zu Hause bleiben.

    Auch das, Harald, sehe ich im Gesicht im Spiegel.

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