Freitag, 29. Januar 2010

Diktat der Ziele

Morgens las ich von einem Mann, den ich als völlig zielgerichtet erlebt hatte. Selbst beim Beginn eines Essens versuchte er, ein gemeinsames Ziel für dessen Dauer zu vereinbaren. Sein Ende war nicht leicht und geht uns hier nichts an.
Aber die Zielversessenheit tut's.
"Natürlich braucht der Mensch Ziele" ist wieder so ein Satz aus der Legobox für Organisationsfreaks.
Bei oder für was? Wann? Noch wichtiger: Wann nicht? In welcher Realität, bitte?
Und: Wie flexibel sind die Ziele? Sind sie scharf oder weich?
In einem Interview sagte vorgestern einer, der irgendwo für etwas Oekonomisches zuständig ist und zur Zeit in Davos mehr seiner Art trifft: Unser Ziel sind deutlich mehr als fünfzehn Prozent at the bottom line.
Keiner machte ihn darauf aufmerksam, dass Gewinn ein Ergebnis ist, kein Ziel.

Es gibt da eine sehr alte, strikt sexistische Geschichte bei Aristophanes. Der erzählte seinen Schülern von einem Bauern, der mittags im Schatten eines Baums döste, sich von einem kläffenden Hund gestört fühlte, ein Stück Olivenholz nach ihm schmiss, aber nicht sein Ziel, sondern seine Schwiegermutter traf - und murmelte: Auch gut.

Kommentare:

  1. Ha, die ist gut, die Aristophanes-Pointe.

    "Natürlich braucht der Mensch Ziele" ist wohl die etwas nachlässige Formulierung für: ein Mensch muss unterwegs sein, sonst geht er auf Dauer ein. Mit etwas Pech bei voller biologischer Funktionstüchtigkeit?

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  2. Der Mensch braucht vielleicht nur dann unablässig Ziele, wenn der Begriff sehr, sehr weit gefasst wird:Ich habe aktuell das Ziel, genau in dieser Sekunde zu atmen. Jetzt das Ziel, auszuatmen.
    "Ein glänzend Ziel kann man gelassen treffen", so, ungefähr, Shakespeare. Das ist eines der Probleme mit Zielen: Starke, scharfe, glänzende Ziele blenden alles andere aus.
    Auch darum ist "Horizont" praktischer. Wenn ich ihn aus allem entwerfe, das mich anzieht, hinzieht, lockt etc., einschliesslich der präzisen Ziele, dann gehe ich in die für mich passende Richtung, nicht imme präzis, aber gut genug.

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  3. Ziele: ja! Eins für das ich mich seit Jahren begeistere, meinen Dienstwagen mit Expolsionsmotor in einen mit Elektromotor zu tauschen. Heute morgen noch nur davon gesprochen, jetzt hängt er draußen am Ladekabel. Ein Clio electrique von 1998. So lange gibt es die serienreife Technik schon. Dann mache ich mich mal voll Begeisterung damit vertraut.

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  4. Wie erlebe ich den Wandel? Erschreckend normal: eben meine erste elektrische Stadtfahrt, zum Innenstadtbüro und zurück ca. 20km. Der Clio, ein typisches Studentenauto macht kein Aufsehen in der Studentenstadt. An die etwas sanftere Akku schonende Fahrweise kann man sich schnell gewöhnen (nicht bremsen, sondern Energie zurück gewinnen). Das wars dann schon. Eins steht allerdings schon am Tag eins an dem es die Wahl zwischen Elektro und Verbrenner gibt fest: ich fahre mit Vergnügen im Clio an den bekannten Tankstellen vorbei!

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  5. Eben, Arno, Wandel ist fast immer belastet durch Bedenken, Moral, Gewissen, Moral und so fort.
    Lust! ist es, Spass!, Vergnügen!
    Glückwunsch.

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