Donnerstag, 11. Februar 2010

Was Ihr den Geist der Zeiten heisst -

- das ist im Grund der Herren eigener Geist.
Warum ich hier mit Goethe komme? (Abgesehen davon gibt es schlechtere Gesellschaft.) Das Zitat fiel mir durch Arnos Hinweis im letzten Blog ein.
Der Kapitalismus nach dem Kapitalismus, irgendwelche schlachtlüsternen Phantasien alter Männer (wie Huntingtons "Clash"), das ganze neoliberale Blechgeklirr in Talkshows, die rührenden Abschiedsgrüsse von aufrechten Kommunistinnen, die peinlichen pädagogischen Zeigefinger von Leuten, die ihr Land regieren wie das Kaffeekränzchen in ihrem Schrebergarten, anderen Kulturen aber vorwerfen, dass sie tausendmal grösser und lichtjahrweit anders sind, bösartige Populisten, die einige arme Geister um sich herum zu fremdenhasssenden Zombies dressieren - BITTE DIE LISTE BELIEBIG ERWEITERN - all diese Herren und Damen benennen eine Gegenwart, die es längst nicht mehr gibt. Nicht mehr so. Diese Herren und Damen sind unfähig, den Geist der Zeit wahrzunehmen. Wahr zu nehmen.
Unter der hauchdünnen Kruste des vorgeblichen Zeitgeistes ist die Gegenwart. Und die Gegenwart ist unwiderleglich, so Franz Kafka.
Und natürlich gefällt mir das Bild, wie Don Quichote gegen die sinkende Sonne näher trabt. Plus Sancho Pansa mit iPad.

Kommentare:

  1. Wenn einer gegen die sinkende Sonne näher trabt, denke ich an 'Ronco den Geächteten', wie er in seinem abgewetzten, langen Militärmantel abends in die Stadt ein reitet --- anderes Image, gewiss keine Weltliteratur. Als wir uns zu 8 Leuten zusammen setzten, um uns einzubilden, dass wir mal eben ein Windrad auf Ursulas Acker stellen können, wussten wir nicht, was uns unterwegs alles erwartet. Klar gab es einen Markt, aber der war schon organisiert und wartete nicht auf Quereinsteiger. Falls sich das große Rad in diesem Jahr zu drehen beginnen, statt eines der Riesen auf einem Acker neben an, dann war am Ende unsere Einbildungskraft größer als die einer blablabla-blablabla-International AG. Jederzeit ist dieses kesse Spiel mit der Immagination nur hauchdünn entfernt von dem, was Sancho Pansa als 'traurige Gestalt' benennt.

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  2. Ja.
    Lass es uns jedesmal geniessen, wenn es geschieht.

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