Sonntag, 17. Oktober 2010

flüssig

Ein flüssiger Raum für Nachrichten, the liquid newsroom, ist eine der aktuellen Requisiten der Inszenierung namens Gegenwart.
Vieles der journalistischen Leistung bleibt gleich - aber nicht, wie sie geleistet wird. Beispielsweise wird das gemeinsame Arbeiten an einem Thema unter anderem weltweit möglich, technisch sehr einfach, kostenlos bis billig und: selbst dem jüngsten aller Volontäre, Praktikanten, Blogger oder Sonstwiepublizierer sofort verfügbar.
Flüssig.
PS: Vielleicht mögen Sie den Begriff und achten darauf, was da so in den nächsten Gegenwarten auftaucht; flüssig.
PPS: Ja, "Panta rhei!" und so immer weiter erkannte schon vor etwa zweieinhalbtausend Jahren Heraklit. Nur waren seine Erkenntnisse einer kleinen, elitären Gruppe vorbehalten. The liquid newsroom ist radikal kollektiv und demokratisch.

Freitag, 15. Oktober 2010

alles notiert; für immer

Evernote, eines der flotierenden virtuellen Gedächtnisse in den Datenwolken unbekannter Grösse, arbeitet jetzt mit Livescribe zusammen.
Was heisst: Sie, ich, jemand, alle leben mit einer neuen Art Kulgelschreiber: Livescribe. Was Sie schreiben, kritzeln, notieren, wird gespeichert. Was Sie sagen oder hören auch. Das übertragen Sie in Ihren Computer irgendeiner Art. Von dort aus können Sie alles ordnen, senden, drucken. Und durch die Kooperation mit Evernote steigt das auf und wird zu neuen Wölkchen in der Wolke. Dort schwebt es dann für immer.
Noch lange nach Ihnen wird es durch das Universum treiben.
Wie wird Ihnen dabei?

Donnerstag, 14. Oktober 2010

kurz mal vornedran

Dieser Satz steht drüber:
Während in aller Welt noch gerätselt wird, wie das Buch der Zukunft aussehen und wie es einmal heißen wird, ist es in einer virtuellen Werkstatt zwischen Berlin und Hamburg bereits entstanden.



In unserer Gegenwart kann jeder mal Avantgarde sein oder Marktführer oder einfach vorn - für 15 Tage, maximal.

Montag, 11. Oktober 2010

EQ, nicht IQ

Der vertrauenswürdige New Scientist berichtet über ein Forschungsprojekt von Anita Woolley an der Carnegie Mellon University:
Sollten Sie Mitglieder für ein Team finden wollen, dann suchen Sie nicht nach dem intelligentesten Bewerber. Die Intelligenz einer Gruppe hängt (entscheidender als von dem IQ der Beteiligten) von deren sozialer Empfindsamkeit ab. Und von der Fähigkeit, Standpunkte zu wechseln. Schliesslich: Je mehr Frauen im Team, desto intelligenter ist das dann.
Also?
PS:
Meine Grossmutter mütterlicherseits riet mir (Zigarrenqualm aus dem Mundwinkel):"Du kannst ja gern so dumm sein wie du willst - Hauptsache, Du weisst Dir zu helfen".
PPS:
Wenn Sie den Bericht nachlesen: Frau Woolley unterstellt unbeirrt, dass der individuelle IQ tatsächlich zuverlässig Intelligenz misst.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Faschisten, andersrum

Kaum fertig mit diesem Video, wurde Richard Curtis (“Vier Hochzeiten und ein Todesfall” und “Notting Hill”) Öko-Faschist genannt und das Video gestoppt.



PS: Wieviele werden immer wieder um Glück, Gesundheit, Leben durch diejenigen gebracht, die genau wissen, wie Menschen glücklich zu werden haben?

Dienstag, 5. Oktober 2010

Genies von Gestern

Es wäre ja peinlich, darüber zu reden, wenn es nicht dauernd vergessen ginge: Gegenwart ist jetzt.
Noch gestern früh war ein Unternehmen so bedeutend, so führend, so gross (und häufig so arrogant und schlampig), dominierte so sehr die Gegenwart von gestern, dass es wunderbar zum Feind No.1 für seine abhängigen Kunden taugte: Microsoft.
Micro wer?
Microsoft, das geniale Ding von Gates (und 90.000 anderen).
Der Geniestreich war sich seiner ganz sicher. Und so, gewaltig, bedeutend, sicher, verschnarchte das Unternehmen den entscheidenden Wandel zu einer anderen Art von Computer - den Smartphones. Die alte Methode (drücke allen dein Betriebssystem auf) funktionierte nicht. Und Neues? Geld kann Geist zwar kaufen, aber selten gewähren lassen.
Jetzt soll das ein gewisser Achim Berg richten. Der veranstaltet schrecklich unerhörte Beerdigungsszenerien, tanzt mit gelben Perücken rum und sagt unzensiert, dass er die Wirklichkeit den Hochgestellten bei Microsoft erst mal beibringen müsse.
Zusammengefasst:
1.
Die Welt gibt kein Pardon für Gestrige.
2.
Abschottung in Top-Etagen ist die sanfte, kostspielige Methode des Suizids. (Gilt auch für die politischen Chefbüros, siehe die Nachrichten von heute Abend.)
3.
Raus in die Gegenwart; notfalls mit Perücke.
PS:
Das Ganze steht diese Woche in "Die Zeit", Seite 42.

Montag, 4. Oktober 2010

Obrigkeit

Wikipedia: "Als Obrigkeit (lat. superioritas) wurden in hierarchisch organisierten Gemeinwesen seit dem späten Mittelalter bis in die Moderne hinein diejenigen Personen oder Institutionen bezeichnet, die rechtmäßig oder auch nur aufgrund eigener Anmaßung (Usurpation) die Herrschaft ausübten und die rechtliche und faktische Gewalt über die Untertanen besaßen. Die Untertanen schuldeten ihrer Obrigkeit Gehorsam."
In diesen Tagen ist in Deutschland zu erleben, wie altmodisch Menschen sind, die völlig überzeugt sind, dass sie erstens grossartig sind, zweitens auf der Höhe der Zeit regieren und dies drittens sowieso als gute Demokraten.
Was diese Restposten so unerträglich macht, ist genau diese Mischung.
Wenn Sie sich die volle Dröhnung zumuten wollen, dann klicken Sie sich bitte durch die Reportagen zu Stuttgart 21. Dann sehen Sie regionale und zentrale Minister plus einer leibhaftigen Kanzlerin, die angewidert auf Untertanen reagieren, die, unglaublich, sich nicht brav, vorauseilend und völlig der Obrigkeit unterwerfen wollen. Die Statements sind verräterisch, weil so blank abgehoben im Zirkus des dümmlichen Teils der politischen Klasse oder in gelehrigem Neusprach abgesondert.
Aber nicht nur "1984" (sozusagen für schwäbische und märkische Grosse Brüder und Schwestern) , nicht nur Orwell wird bestätigt, sondern auch jede aus aktuellem Anlass laufende Erinnerungs / Nostalgie / Biographie-Analyse (wie "Das Leben der anderen" oder dummdreiste Moderatorfragen a la "Warum haben Sie eigentlich nicht aufbegehrt?")
Ob jemand meint, er oder sie sei Obrigkeit, lässt sich sofort daran erkennen, dass diese Menschen die Unbotmässigkeit von Untertanen reklamieren.

Donnerstag, 30. September 2010

Gegenwarts-Zeitung

Hier wird Gegenwart publiziert.

Politainement

Der amerikanische Komiker Stephen Colbert demonstrierte in den letzten Tagen endlich jene Wirklichkeit, die nicht zu übertreffen ist: die gefälschte Realsatire.
Dass die Realität die Satire übertrifft, wissen wir spätestens seit Tucholsky. (Oder wie fanden Sie das Video unten (vom 26.September) mit der schweizerischen Merz-Parodie? Oder war das doch das Original? Egal. Wirklich egal.)
Colbert, der für viele Amerikaner mit seinen Satiren glaubwürdiger ist als alle Nachrichten-Sendungen, ging diesmal weiter: Er spielte die Figur des unsäglichen Rechtskonservativen gleich in einer Ausschussitzung des Parlaments.
Das hat Zukunft.
Das ist die Zukunft.
PS: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass diverse Darsteller in den Politik-Sendungen fast schon etwas zu gut sind?

Mittwoch, 29. September 2010

wahr nehmen

Amy Krouse Rosenthal whoisamy.com und MissionAmyKR.com sei Dank für eine Art zu lehren, wie wir sie heute brauchen:

Ja, wir nehmen nicht wahr, was ist. Ja, wir nehmen wahr, was wir sind - und wie wir sind.
Und die Wirklichkeit?
Also bitte.

Sonntag, 26. September 2010

Dich lache ich, Bürokratie

Das hier kann Sie mit einigen Jahrzenten Ärger über bürokratische Exzesse versöhnen.
Es handelt sich um einen Herrn Merz. Der war bis jetzt Bundesrat in der Schweiz und fiel dabei in sieben Jahren nicht durch allzuviel Geschick und Gelächter auf.
Aber jetzt: Was für ein Abschied.
PS, nur so nebenbei: Wie möchten Sie sich am liebsten verabschieden, eines Tages?

Donnerstag, 23. September 2010

facebook=Selbstprostitution

"Facebook beispielsweise ist eine Art Selbstprostitution, eine Offenlegung von Intimität ohne Verpflichtungen. Man öffnet sich nicht wirklich, will sich aber zeigen. Es ist gewissermaßen Selbstkommunikation - ein öffentliches Tagebuch, das nur so tut, als wäre es Kommunikation" sagt Ernst Pöppel, ein Professor für Medizinische Psychologie im FAZ.NET.
Interessant ist die Analogie nicht wegen ihrer Begründung, denn die setzt ein angenommenes Übel (Multitasking) als Grund für die notwendige Abstinenz von dergleichen wie Facebook.
Interessant ist hingegen, dass derartig frei und fröhlich im Geschlechtlichen assoziiert wird, dass es eine wahre Lust ist. Siehe Zitat oben und siehe Link. Und so deftig wirds für gewöhnlich nur, wenn wir uns in etwas sehr Deftigem getroffen fühlen.
PS: Schliessen Sie sich Herrn Pöppels Urteil an?

Mittwoch, 22. September 2010

Löwe oder Biene

Heute einen Trost beziehungsweise eine Drohung von August Strindberg:"Das Leben ist nicht so mathematisch-idiotisch, dass nur die Großen die Kleinen fressen, sondern es kommt ebenso häufig vor, dass die Biene den Löwen tötet oder ihn zumindest verrückt macht."
PS:
Wie wär's mit einer Liste der Lieblings-Gegener, die immer noch auf den Füssen sind und die möglichen, interessantesten Bienen-Stratzegien?
(Meine Siesta heute, beispielsweise, wurde durch eine winzige, wendige, blutgierige Stechfliege zerstört.)

Dienstag, 21. September 2010

gefährliche Dummköpfe

Zum Milleniumsgipfel in New York (an dem vor 10 Jahren geschworen wurde, den Hunger zu verbannen und - lassen Sie sich bitte nicht stören - in genau 3 Sekunden von Jetzt! stirbt wieder ein Mensch an Hunger)zu diesem Gipfgel reiste auch der bhutanische Ministerpräsident Jigme Thinley an. Und sprach.
Und sprach davon, dass die weltweite Konzentration auf materielle Werte gefährlich sei, dumm auch. Er schlug vor, dass Streben nach Glück und Zufriedenheit mit anderen wichtigen Zielen gleich zu setzen:"Die Relevanz dieses Ziels reicht weit über die armen Staaten hinaus und vereint die ganze Menschheit – arm wie reich – in einer zeitlosen gemeinsamen Vision ... man benötigt nicht viel Intelligenz, um einzusehen, dass das endlose Streben nach materiellem Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen nicht nachhaltig ist."
In seinem Land wurde der ökonomische Indikator "Bruttosozialprosukt" durch "Bruttoglücksprodukt" ersetzt.
Im Hintergrund wurde mitleidig gelächelt. Das macht Herrn Thinley offensichtlich nichts. Irgendwann laufen alle Dummköpfe mal vor die letzte Wand und alle Gefährlichen in ihre letzte Falle.

Montag, 20. September 2010

weltweittanzenodersonstwas

TED
ist oft nützlich, wenn Sie die Gegenwart mehr brauchen als alte Illusionen darüber;
hier auch.

Freitag, 17. September 2010

epidemische netzwerke

Hier spricht Nicholas Christakis, Professor in Harvard über "How Social Networks predict epidemics".
Und es lohnt sich, zuzuhören. Er redet Gegenwart.

Montag, 13. September 2010

Wunder, schon wieder

Wie kürzlich vermutet: es gibt Wunder.
Oder Momente, in denen unser Verdacht betstätigt wird, dass dieses Universum anders zusammenhängt, als wir das behaupten - normalerweise.

Worte machen mit Google

good morning if you sometimes run out of words and you have no idea: go to google scribe and you will be as good as the system scribe labs - like this blog here: Google is the fathermother of everything.
Wieder ein neues Angebot, kulturpessimistisch zu meckern oder -optimistisch zu jubeln.
PS:
Bedenken Sie: Jemand, der sich durch Google kiss, beispielsweise, zu 1000 Kussvarianten ermuntert hätte - würde dieser Mensch nicht a) wenigstens küssen, b) mehr und c) vielfältiger?

Donnerstag, 2. September 2010

Wunder, ab und an

Bei all diesen Zwängen, düsteren Prognosen, hoffnungslosen Polittalkern, kulturpessimistischen Eggheads, verquasten ...logen ---
ach!
sollten wir uns ab und an ein Wunder gönnen.
Hier ist eins.
Der kluge Kopf weiss um tausend kritische Bedenken. Dafür ist er da.
Aber hier, hier ist ein Wunder.

Mittwoch, 1. September 2010

positives Denken

Haben Sie 10 1/2 Minuten für eine mentale Wellness-Kur?
Barbara Ehrenreich schrieb ein Buch, ach was: eine Hinrichtung des positven Denkens, das jetzt deutsch erscheint. Bis Sie das lesen können sind hier das hinreissende Video:


Oder: