Sonntag, 28. Februar 2010

still

Im Deutschland, Oesterreich und der Schweiz hat sich in den letzten Jahre etwas verdoppelt: die Zahl derjenigen Menschen, die regelmässig Psychopharmaka nehmen, weil sie ihnen verschrieben wurden. Etwa jeder vierte Mensch gilt als behandlungsbedürftig.
Auch ein Wandel.
Es geht ja nicht darum, ob kranken Menschen geholfen werden soll oder nicht. Es kommt darauf an, wer durch wen und warum als psychisch krank erklärt wird. Und es fragt sich, ob das System Gesellschaft immer seltener riskieren kann, dass Andersbenehmer, Andersgeräuschler, Andersbewegler, Anderssprecher das System irritieren.
Andersdenker hingegen scheinen von selbst ruhiger zu werden. Oder aus dem Andersdenken nicht zum Anderstun zu kommen.
Stille.

Samstag, 27. Februar 2010

selbst gelobt ist gut gelobt

Es ist ja nun wirklich ein seit ältester Zeit bekanntes Vergnügen: Bezahl die Leute, die Dich loben. Das geht schneller, als darauf zu warten, dass es andere freiwillig tun. Und es ist genauer.
Über einen aktuellen Versuch berichtetete "upload-magazin.de". Dass die Süddeutsche Zeitung schnelles, präzises Lob so nötig hatte, ist deren Sache. Dass sie sich dabei erwischen liess: jo mei. Inmitten all der mediokren Selbstbeweihräucherung fällt's ja nicht besonders auf.
Da bot doch die „Assurance de succès dramatique“ des Monsieur Sauton ca. 1820 in Paris eine vergleichseweise klare, grosszügige und zielsichere Leistung an - die
„Sicherstellung des dramatischen Erfolges“. Wie täte es der Süddeutschen gut, wenn täglich zum Redaktionsschluss eine Gruppe dieser Claqueure frenetisch Beifall klatschen würden.
Oder zufällig ab und an bei uns auftauchten. Wie wär's?

Freitag, 26. Februar 2010

Freitag: Standpunkt

Haben Sie noch einen Standpunkt?
Von einem Standpunkt als ....... aus gesehen, ist das so:......
Was hat dieser Mensch?
Offensichtlich einen Standpunkt.
Was sieht er innerhalb seiner Scheuklappen?
Einen schmalen Ausschnitt. So ist sein Verstehen. So ist seine Lösung. So ist sein Leben.
Was hilft, ist ein Papier auf dem Boden, auf dem der Name des Themas / Problems/ Irgendwas steht, damit man/frau herumgehen kann, langsam, um Standpunkt-Wirklichkeiten zu sammeln.
Sie kennen gewiss die Camouflagen von "Standpunkt": Ich als ... in meiner Eigenschaft als ... nach meiner Erfahrung ... als Fachman für ... als Spezialist für ...

Donnerstag, 25. Februar 2010

Vergangenheitsschubser

Kennen Sie das auch?
Eben waren Sie noch gut gelaunt oder schlecht drauf, auf jeden Fall im Hier und Jetzt. Dann kommt ein Mensch, eine Mail, eine Zeitung, ein Irgendwas mit nichts im Sinn ausse, Sie in die Vergangenheit zu schicken.
Am Skype:
Sachma, in welchem Jahr biste geborn?
Ich sags. Warum sollte ich auch nicht?
Deshalb:
Ich schick Dirn Link.
Klick:
Wussten Sie schon, dass in Irrem Geburtsjahr "Top Hat" der bestbesuchte Film war?
Wusst ich nicht.
Wussten Sie schon, dass in Ihrem Geburtsjahr die Anonymen Alkoholiker gegründet wurden?
Wusst ich auch nicht, klick die Site aber weg.
Wenn Ihnen jemand eine schmiert, dann können Sie zurückschlagen. Und das nicht zu knapp. Und mehrmals, notfalls.
Wenn Sie jemand in die Vergangenheit schubst, dann sind Sie erst mal da, ungewollt. Und müssen Ihren Rückweg in die Gegenwart finden.
Vergangenheitsschubser haben mit dem Leben soviel zu tun Zombies mit dem Küssen.

Mittwoch, 24. Februar 2010

General Streik

Sie sehen und hören dieser Tage ständig: Griechenland.
Hier das Interview vor Ort:
Stavros, glaubst Du, dass diese Reform gelingt?
Stavros hält eine einführende Vorlesung zur griechischen Geschichte, deren Ende ist:
"Das ist wegen der Türken!"
???
Über dreihundert Jahre waren sie hier.Es war patriotische Pflicht, die Herrschenden zu bekämpfen, besonders, ihnen so wenig zu zahlen wie möglich.
Und was hat das mit dem Streik und dem ganzen Desaster zu tun?
Wir sind dabei geblieben. Es ist patriotisch, keine Steuern zu zahlen.
Stavros, die Türken sind lange weg!
Und wer will unbedingt in die EU? Die Türken.
PS:
Das ging noch Stunden so weiter. Es erinnerte mich an ein Gespräch mit einem Miteidgenossen im Appenzell über das Bankgeheimnis, die Minarette und die aus dem grossen Kanton.

Dienstag, 23. Februar 2010

23.02.2010, 17:30

Heute.

Montag, 22. Februar 2010

Endlich: Das Ende in Ihrer Hand.

Hier ist ein Trost, den Sie sich unbedingt gönnen müssen: Machen Sie Schluss mit diesem Planeten!
Bestimmen Sie, mit welcher Geschwindigkeit und wo ein Komet in der Grösse Ihrer Wahl auftreffen soll.
Nach all den Drohungen über das Erkalten unserer Sonne in schon 4 Milliarden Jahren, all den Verschwörungs-Theorien über Meister des Todes und den restlichen Murks: Hier ist das Ende. Instant.
Und dann: :))

Sonntag, 21. Februar 2010

Gebrauchsanleiter braucht's

Da glaubt einer (ich), er sei soweit gnaz gut unterwegs im Digitalen. Und dann will er mit einem neuen Programm (Camtasia) etwas Banales tun (Audiofiles importieren). Es geht nicht. Kein Umweg, Trick oder sonstwas hilft. Auf den Foren: Schweigen. Techsmith verspricht Hilfe in einem Tag, aber es ist Wochenende. Keiner hatte das Problem vorher. Tonnenweise Vids mit Tutorials, möglicherweise für Alles. Aber nichts dafür.
Ja, meist ist mindestens 80% einfach. Ja, fast der ganze Rest steht in Foren oder sonstwo.
Nur bleibt ein Rest. Und wers mit dem zu tun hat, würde einem, der ihm grossmütig zuhört, skypend, ihn zu einem Dings führt, mit dem es locker geht, gern ebenso grossmötig honorieren. Die Wer-Will-Den-Job-Sites sind dafür nicht schnell genug und vielleicht auch nicht ausreichend präzis: Wer mit offener Aorta in die Notaufnahme taumelt, der hat keine Zeit fürs Tee trinken und Bürokratie.
Wofür würden Sie sich grossmütige Tutoren wünschen?

Samstag, 20. Februar 2010

Kauf ein Stündchen

"In der Stunde kostet die ..." wenn das einer wildfremden Person nachgesagt wird: Was denken Sie da?
Genau.
"Der Spiegel"
recherchierte, dass die CDU in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, das ihrem eigenen Ministerpräsidenten nachsagt, genauer: Die CDU bietet ihn an. Gegen Geld. Was sonst.
Mal abgesehen von Dekadenz, Untergang der Demokratie oder deren Sumpfblüte, hämischen Beleidigungen von Bananenreprubliken als Vergleich, den verrotteten Resten des "C" in einer Partei und immer so fort:
A) Wieso darf sich das jemand mit einem leibhaftigen Ministerpräsidenten erlauben?
B) Wieso erlaubt das ein Ministerpräsident?
C) Wer gibt für so was Geld her?
PS:
Es könnte künftig den ganzen Aufwand mit den Wahlen ersetzen: Kanzler wird, der für eine Stunde mit ihr / ihm am meisten bekommt. Und so abgestuft weiter.
Für wen würden Sie bieten? Und wieviel?

Freitag, 19. Februar 2010

Freitag: Marsmensch

Noam Chomsky riet seinen Studenten zu einem besonderen Werkzeug, hätten sie Probleme, etwas zu verstehen, zu vermitteln, zu verändern:
"Erzählen Sie es einem Marsmenschen."
???
"Jemandem, der mindestens so intelligent ist wie Sie, aber keine blasse Ahnung von der menschlichen Kultur hat, von Ihrem Leben."
Wie durchtrieben C. ist fand ich heraus, als ich es probierte.
Wie geht es Ihnen damit?

Donnerstag, 18. Februar 2010

Ithaka und die Pseudo-Creativen

Gestern sah ich einen Spot für ein Auto. Dort wurde das wunderbare Gedicht "Ithaka" von Konstantin Kavafis verwurstet zu Pseudo-Tiefsinn, zu Pseudo-Bedeutung - und zu echter Widerwärtigkeit.
Wie eben in 99,9% aller Fälle die Kreativität der Werbebranche nichts als verbrauchte Kultur ist - wie der Kitsch auch. Der gesamte Vorrat des Gemeinsamen (Kultur) wird geplündert, kleinlich verbraucht für grosse Egoismen ohne Wert.
Wie wärs mit zwei Listen? A: Verbrauchter Murks (sowas wie oben oder gewisse Comedians, z.B.). B: Guter Stoff, danke (Karl Valentin und Dittsche, beispielsweise und, wenn Werbung sein muss, die Geniestreiche von Howard Gossage.)
Ich bitte um Nominierungen.
PS: Achtung! Der Link auf einen Artikel über Gossage wurde von der Nepotism Inc. gesponsort

Mittwoch, 17. Februar 2010

Online-Fasten

Zufällig passend, dass heute Aschermittwoch ist: Sophie Burkhardt berichtet bei ZDF / Heute.de, dass ein gewisser Kirby Ferguson mental entschlacken wollte und Slow Media betrieb. Was das ist?
"Die Regeln sind klar: Im Internet surfen ist verboten - genauso wie Blogs, News-Feeds, Fernsehen YouTube, DVDs und Twitter. Reduziert werden die Computernutzung und das Multitasking. Maximal 30 Minuten private E-Mails pro Tag sind erlaubt. Okay ist "alles, was auf Papier ist", sowie Radio, Podcasts, Kino. Und ein Hintertürchen gibt es: Ein tägliches Blog- und Facebook-Update sind erlaubt."
Fergusons Erfahrung: "Ich bin schon nach wenigen Tagen ruhiger geworden".
Benedikt Köhler, Sabria David und Jörg Blumtritt haben inzwischen das "Slow Media Manifest" in 14 Punkten veröffentlicht. Ihre Idee ist ein "Manufactum im Internet".
Welche Slow Irgendwas wären sonst noch zu starten?

Dienstag, 16. Februar 2010

sei negativ, denke positiv

Heute wurde mir der Link zu einem sehr interessanten Blog (danke, Mel) eines Mannes gesandt, der in Kanada lebt; sein Thema ist der Wandel.
Von seinem Blog aus kam ich auf die "10 wichtigsten Bücher für Ihren persönlichen Erfolg". 8 basierten weitgehend auf Murphys "Positiv Thinking".
Seit Lao Tsu (in seinem "I GING") warnen Menschen unterschiedlichester Kulturen, Herkommen, Hautfarbe, Geschlecht ohne umfassende Besserung vor dieser Abseitsfalle.
Hier wieder einer.

Montag, 15. Februar 2010

Kultur ist eine Abstraktion,

bis man eine Geschichte erzählen kann. Schreibt Cees Noteboom in einem Essay voller Geschichten, den er abgeklärt beendet: "Wenn ich sage, dass ihr Leben durch dieses Erbe (der Geschichten seines Lebens) bereichert würde, sind es Worte in den Wind. Aber dann habe ich sie zumindest gesprochen."
Ich teile diese Art Resignation nicht. Die Geschichten des Menschen, von den ganz grossen bis zu den kleinen, privaten, reisen gut mit dem Wind. Hier, besipielsweise, ritt ein gewisser Don Quijote vorbei. Und seine Geschichte erzählt flüsternd auch von Ovid, der noch ältere Geschichten erzählte und ist voll von alten griechischen Geschichten, die wieder noch ältere-weiter-fort-neu-zeitlos-aktuell erzählen.
Was sind Ihre Lieblings-Geschichten, die Sie in den Wind sprechen? Twittern?
PS: Nachdem ich Sie fragte, hier einer meiner Lieblinge, von, ich glaube, Brian Aldriss: Der letzte Mensch auf der Welt sitzt in seinem Zimmer.
Plötzlich klopft es an die Tür.

Sonntag, 14. Februar 2010

Aristoteles in Karlsruhe

Manchmal wird ein Erbe ernst genommen, obwohl es eine Idee ist und kein Konto.
In Deutschland sprach das Bundesverfassungsricht Recht, Recht für so genannte Hartz-IV-Empfänger.
Zum Minimum der vom deutschen Grundgesetz garantierten Menschenwürde gehörten auch, so die Richter: die Teilhabe an Bildung, der Zugang zu Kultur und - die Chance auf politisches Engagement.
Etwa 300 v.Chr. lehrte das Aristoteles: der Staat habe die Voraussetzungen des menschlichen Glücks zu schaffen.
Und Ihr Glück?

Samstag, 13. Februar 2010

52,9 % sind für den Weltuntergang

Unter www.whatdoestheinternetthink lässt sich errechnen, "was das Internet denkt". (Indem, beispielsweise, Yahoo + Google abgegrast werden.)
Die Adresse ist sehr hilfreich, wenn Sie irgendeine Meinung, Theorie, Entscheidung, Idee oder sonst etwas aufpeppen wollen:
52,9% sind positiv zum Weltuntergang eingestellt!
79,4% sagen ja zum Prinzip Hoffnung!
90,9% stimmen zu, dass alles besser wird!
Wenn Sie zufällig spin doctor einer politisch verantwortlichen Person sind: Hier ist die Quelle, mit der Sie zu jedem populistischen Kurs raten können. Und natürlich zum Gegenteil auch.
PS: Möglicherweise komm ich mit dieser Empfehlung Jahre zu spät.
Oder?

Freitag, 12. Februar 2010

Maries Wandel-Werkzeug

Marie Curies Werkzeug für den Wandel:
„Ich beschäftige mich nicht mit dem, was getan worden ist. Mich interessiert, was getan werden muss.
Falls Sie das probieren wollen (auf Ihrem Weg zu zwei Nobelpreisen und/oder mehr Freude):
1. Notieren Sie sich einen Tag laufend, womit Sie sich beschäftigen.
2. Markieren Sie abends, ob Ihre Energie und Zeit und Genialität in etwas ging, was früher getan wurde, Vergangenes betraf.
3. :))
PS: Auch die schöne Polin war alles andere als perfekt.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Was Ihr den Geist der Zeiten heisst -

- das ist im Grund der Herren eigener Geist.
Warum ich hier mit Goethe komme? (Abgesehen davon gibt es schlechtere Gesellschaft.) Das Zitat fiel mir durch Arnos Hinweis im letzten Blog ein.
Der Kapitalismus nach dem Kapitalismus, irgendwelche schlachtlüsternen Phantasien alter Männer (wie Huntingtons "Clash"), das ganze neoliberale Blechgeklirr in Talkshows, die rührenden Abschiedsgrüsse von aufrechten Kommunistinnen, die peinlichen pädagogischen Zeigefinger von Leuten, die ihr Land regieren wie das Kaffeekränzchen in ihrem Schrebergarten, anderen Kulturen aber vorwerfen, dass sie tausendmal grösser und lichtjahrweit anders sind, bösartige Populisten, die einige arme Geister um sich herum zu fremdenhasssenden Zombies dressieren - BITTE DIE LISTE BELIEBIG ERWEITERN - all diese Herren und Damen benennen eine Gegenwart, die es längst nicht mehr gibt. Nicht mehr so. Diese Herren und Damen sind unfähig, den Geist der Zeit wahrzunehmen. Wahr zu nehmen.
Unter der hauchdünnen Kruste des vorgeblichen Zeitgeistes ist die Gegenwart. Und die Gegenwart ist unwiderleglich, so Franz Kafka.
Und natürlich gefällt mir das Bild, wie Don Quichote gegen die sinkende Sonne näher trabt. Plus Sancho Pansa mit iPad.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Erst kommt der Kapitalismus, dann ...

... kommt die Moral, hofft der us-amerikanische Politologe Vali Nasr.
Er meint, die Konfrontation mit den Muslimen müsse versagen, auch Appelle, sich bitte zu ändern. (Den "Dritten Ort" des Homi Bhabha erwähnt er nicht - siehe den vorgestrigen Blog.)
Helfen würde nur, wenn den Muslimen geholfen würde, sich in die globale Ökonomie zu integrieren. Nicht um Toleranz gehe es, sondern um gemeinsame Werte, die durch das gemeinsame Wirtschaften erkenntlich würden. Der Extreminsmus würde nicht durch westliche Lektionen an die Muslime besiegt, sondern von innen - "von dem Teil der Gesellschaft, der weiss, dass der Dschihad dem Geschäft schadet".
Bevor der Zyniker ein Zückerchen draus dreht: Was, wenn der gebürtige Teheraner mehr über die Sache weiss und praktikablere Ideen hat als, sagen wir, ein gebürtiger Berliner, der die Freiheit der Uckermark am Hindukusch verteidigen will?
PS: Könnte die aufklärerische Idee der Trennung von Kirche und Staat derselben Erkenntnis zu verdanken gewesen sein?

Dienstag, 9. Februar 2010

Entführe Deine Feinde

Tchnorati Code, bitte ignoreren: 9S634CP4J8UH
In Traunstein, Deutschland, stehen vier Rentner vor Gericht. Sie wollten von ihrem Finanzberater 2,5 Millionen Euro zurückhaben. Der weigerte sich. ALso entführten sie ihn.
Ja, gewiss: Selbstjustiz zerstört den Staat und so weiter.
Aber nur mal so, weil grad Dienstag ist und nicht jede Nachricht so griesgrämig ernst sein sollte:
Wenn Sie jetzt eine Liste machten - wen würden Sie entführen?
Gönnen Sie sich anarchische 5 Minuten.